Ergänzend zur neuen Wechselausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten.“ im Deutschen Historischen Museum (DHM) äußert sich Präsident Raphael Gross zur tieferen Bedeutung der Museumssammlung. Sein Plädoyer: Die Geschichte eines Objekts ist untrennbar mit seinem Weg ins Museum verbunden.
Für Raphael Gross, den Präsidenten der Stiftung Deutsches Historisches Museum, ziehen historische Objekte ihre eigentliche Bedeutung aus ihrer Herkunft, der sogenannten Provenienz. Ein Hut ist nicht einfach nur ein Hut – war er jedoch auf dem Kopf von Napoleon, verändert dieser Umstand seine gesamte historische Relevanz für uns heute.
Der Handwechsel als Erzählung
Die Ausstellung rückt den „Handwechsel“ und den „Ortswechsel“ in den Fokus. Es geht um die räumliche Verschiebung und den Kontext, in dem ein Gegenstand von einem Besitzer zum nächsten – und schließlich in die Museumssammlung – gelangte. Diese Patina der Geschichte offenzulegen, ist eines der Hauptanliegen der aktuellen Schau.
Sammeln mit Absicht
Gross betont eine zentrale Erkenntnis der modernen Museumsarbeit: „Sammlungstätigkeit ist nie ohne Perspektive.“ Er bricht mit der Vorstellung einer neutralen Bewahrung von Geschichte:
- Perspektivisches Sammeln: Jede Phase der Museumsgeschichte hatte ihre eigenen Ziele. Es gab immer Gründe, warum bestimmte Dinge gesammelt wurden und andere nicht.
- Ideologische Schichten: Das DHM reflektiert heute kritisch die Schichten seiner Sammlung. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob ein Objekt im Kaiserreich zur Ehre der Armee, in der NS-Zeit unter ideologischen Vorzeichen oder im „Museum für deutsche Geschichte“ der DDR zur Untermauerung eines marxistisch-leninistischen Weltbildes erworben wurde.
- Die Gründung des DHM: Auch die Genese des heutigen Deutschen Historischen Museums selbst, die eng mit den politischen Visionen von Helmut Kohl und Willy Brandt verknüpft war, beeinflusst bis heute, wie Objekte gesammelt und präsentiert werden.
Indem das DHM diese oft unsichtbaren Hintergründe thematisiert, lädt es die Besucher ein, nicht nur die Objekte selbst zu betrachten, sondern auch die Institution Museum als aktiven Gestalter von Geschichtsbildern zu hinterfragen.
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