Was erzählen uns Dinge über die Zeit, in der sie gesammelt wurden? Die neue Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin geht dieser Frage nach und präsentiert deutsche Geschichte im europäischen Kontext – anhand überraschender Exponate und ihrer oft verschlungenen Wege in das Museum.
Die Ausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten.“ verfolgt einen innovativen Ansatz: Sie erzählt deutsche Geschichte auf begrenztem Raum, indem sie die Objekte selbst und ihre Herkunft in den Mittelpunkt stellt. Kurator Wolfgang Cortjaens erläutert, dass dabei nicht nur die historische Epoche des Objekts zählt, sondern auch der Zeitpunkt, an dem es Teil der Museumssammlung wurde.
Ein Haus mit vielen Gesichtern
Die erste Hälfte der Schau widmet sich der wechselvollen Geschichte des Zeughaus-Gebäudes und seiner Sammlungen:
- Die Kaiserzeit: Ab 1883 diente das Zeughaus als „Ruhmeshalle“ der preußisch-brandenburgischen Armee. Der Fokus lag auf militärischen Objekten, die den Nationalstolz nach der Reichsgründung 1870/71 festigen sollten.
- Die DDR-Ära: Von 1952 bis 1990 beherbergte das Gebäude das „Museum für deutsche Geschichte“ (MfDG), das nationale Geschichtsmuseum der DDR.
- Die Wiedervereinigung: Nach 1989 bot sich die historische Chance, im Zeughaus ein gesamtdeutsches Geschichtsmuseum aufzubauen, wofür erneut ein völlig neuer Sammlungsstock angelegt wurde.
Überraschende Fundstücke und politische Allianzen
Die Kuratoren haben bewusst Objekte ausgewählt, die auf den ersten Blick irritieren oder Fragen aufwerfen. Ein prominentes Beispiel aus der NS-Zeit ist eine Samurai-Rüstung. Sie war 1938 ein persönliches Geschenk einer japanischen Ehrengarde an Adolf Hitler und verdeutlicht heute eindrucksvoll die damaligen politischen Allianzen zwischen Nazideutschland und dem kaiserlichen Japan.
Auch aus der DDR-Zeit gibt es Ungewöhnliches zu entdecken: Neben klassischen Staatsgeschenken finden sich in der Sammlung zwei prächtige Textilien der Königin Luise von Preußen. Diese gelangten im Zuge der Bodenreform aus der Sowjetunion in das MfDG – ein für ein sozialistisches Museum durchaus problematischer und widersprüchlicher Bestand.
Kontraste, die Neugier wecken
Durch das kontrastierende Ausstellen, bei dem sich Objekte gegenseitig kommentieren, möchte das Museum eine neue Offenheit bei den Besuchern fördern. Die Ausstellung zeigt, dass Geschichte nie statisch ist, sondern sich immer wieder neu aus den Dingen zusammensetzt, die wir bewahren.
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