Mit Queere Moderne. 1900 bis 1950 präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den prägenden Beitrag queerer Künstlerinnen zur Moderne in den Fokus rückt. Über **130 Werke von 34 internationalen Künstlerinnen** – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Filme, Literatur und Archivalien – eröffnen eine alternative Erzählung der Moderne: eine, in der Fragen von Begehren, Gender, Sexualität und Selbstinszenierung zentral sind.
Die Ausstellung entfaltet ein globales Netzwerk queerer Künstler*innen zwischen 1900 und 1950, das in Metropolen wie Paris, Berlin, London oder New York wirksam wurde. In acht Kapiteln zeigt sie vielfältige Perspektiven – vom „Modernen Arkadien“ homoerotischer Bildwelten über die „Sapphische Moderne“ der Pariser Salons bis hin zu queeren Lesarten der Abstraktion und künstlerischen Formen des Widerstands im Faschismus.
Künstler*innen wie Lotte Laserstein, Richmond Barthé, Romaine Brooks, Gerda Wegener, Toyen, Jeanne Mammen, Claude Cahun & Marcel Moore oder Hannah Höch & Til Brugman verdeutlichen, wie stark queere Lebensrealitäten und Bildsprachen die Kunst dieser Epoche prägten – auch wenn sie im Kanon oft verdrängt wurden. Der Epilog zeigt, wie die Repression der 1950er-Jahre queere Stimmen erneut in den Untergrund drängte, etwa bei Sonja Sekula oder John Cage, die mit Stille und Konzeptkunst subtile Protestformen entwickelten.
Queere Moderne macht sichtbar, was Quellen oft verschweigen: das Leben queerer Künstler*innen zwischen Anpassung, Tarnung und Selbstbehauptung. Zugleich zeigt die Schau die bleibende Aktualität dieser Fragen angesichts heutiger gesellschaftlicher Debatten um Vielfalt, Sichtbarkeit und Diskriminierung.
Kuratiert von Isabelle Malz und Isabelle Tondre (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen) gemeinsam mit Anke Kempkes (Gastkuratorin und Konzept).
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