Im Rahmen eines Videos präsentiert Dr. Dorothee Hansen, Kuratorin und stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Bremen, das berühmte Gemälde „Camille“ von Claude Monet aus dem Jahr 1866. Das Werk zählt zu den Höhepunkten der Sammlung des Museums und gilt als ein Meisterwerk des Impressionismus.
Das lebensgroße Porträt zeigt Monets Lebensgefährtin Camille Doncieux in der eleganten Mode des Second Empire. Doch wie Monet selbst betonte, handelt es sich nicht um ein klassisches Porträt. Vielmehr wollte der Künstler den Typus der modernen Pariserin seiner Zeit darstellen. Mit ihrer modischen Kleidung verkörpert Camille den Aufbruch in die Moderne und den Lebensstil des damaligen Paris.
Gerade darin liegt die Besonderheit des Werks: Das großformatige Ganzkörperporträt war bis dahin vor allem dem Adel oder wohlhabenden Auftraggebern vorbehalten. Monet übertrug dieses repräsentative Bildformat auf eine Frau aus seinem persönlichen Umfeld und verlieh ihr damit eine gesellschaftliche Bedeutung, die weit über ihre Rolle als Modell hinausgeht. Diese subtile Abkehr von traditionellen Bildkonventionen macht „Camille“ zu einem frühen Meilenstein der modernen Malerei.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts fand das Gemälde in Deutschland große Beachtung. Nach seiner Präsentation in der Galerie von Paul Durand-Ruel wurde es 1901 in der Berliner Secession gezeigt. Der Kunsthändler Paul Cassirer setzte sich maßgeblich für die Verbreitung des französischen Impressionismus in Deutschland ein und präsentierte das Werk später auch in seiner Berliner Galerie.
Seinen endgültigen Platz fand „Camille“ 1906 in Bremen. Während einer großen internationalen Kunstausstellung überzeugte das Gemälde den damaligen Museumsdirektor Gustav Pauli, der den Bremer Kunstverein für den Ankauf gewann. Seitdem zählt das Werk zu den bedeutendsten Exponaten der Kunsthalle Bremen.
Dass „Camille“ heute nicht für die Berliner Ausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“ ausgeliehen werden konnte, hat einen praktischen Grund: Das außergewöhnlich großformatige Gemälde ist äußerst empfindlich und aufwendig zu transportieren. Bereits 1906 wurde es aus Sicherheitsgründen ohne Rahmen nach Bremen geliefert – ein Umstand, der bis heute die besonderen konservatorischen Anforderungen des Meisterwerks verdeutlicht.
Mehr unter: kunsthalle-bremen.de




