Mo Diener im Rehmann-Museum Laufenburg: „Hologramm“ verbindet Medienkunst und Archäologie

Das Rehmann-Museum im schweizerischen Laufenburg zeigt vom 29. August bis zum 13. Dezember 2026 die Ausstellung „Hologramm“ der Zürcher Künstlerin Mo Diener. Die umfassende Werkschau blickt auf rund vier Jahrzehnte künstlerischen Schaffens zurück und verbindet Videokunst, Performance, Fotografie und Installationen mit archäologischen Fundstücken. Im Mittelpunkt steht die neue audiovisuelle 3D-Arbeit „Die Archäologin“, die von einem außergewöhnlichen Fund im Zugersee inspiriert wurde.

„Hologramm“: Vier Jahrzehnte Medienkunst von Mo Diener

Mit der Ausstellung „Hologramm“ widmet das Rehmann-Museum der Schweizer Künstlerin Mo Diener eine umfangreiche Retrospektive. Seit Ende der 1980er-Jahre beschäftigt sich Diener mit Performance, Medienkunst und interdisziplinären Arbeitsweisen. Ihre künstlerische Praxis umfasst Videos, Installationen, Interventionen und performative Projekte.

Die Ausstellung führt Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zusammen und eröffnet damit einen Überblick über die Entwicklung ihrer künstlerischen Fragestellungen. Ein zentrales Thema ist das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Diener untersucht, wie Erinnerungen entstehen, welche Bedeutung materielle Spuren besitzen und wie sich historische Erfahrungen durch künstlerische Medien neu interpretieren lassen. Dabei verbindet sie persönliche Archivarbeit mit wissenschaftlichen Methoden und der Geschichte des Ausstellungsortes.

„Die Archäologin“: Ein Hologramm als audiovisuelle Zeitreise

Im Zentrum der Werkschau steht die neu entstandene Arbeit „Die Archäologin“. Das audiovisuelle Hologramm nutzt eine dreidimensionale Erzählform, um unterschiedliche Zeitebenen miteinander zu verbinden. Die Besucherinnen und Besucher begegnen einer künstlerischen Inszenierung, in der historische Forschung, dokumentarische Spuren und imaginierte Szenarien ineinandergreifen. Die Arbeit versteht sich als eine Art Portal zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

Anstatt archäologische Erkenntnisse ausschließlich anhand von Objekten oder Texten zu vermitteln, entwickelt Diener eine räumliche und sinnliche Erzählung. Das Hologramm verbindet damit die Möglichkeiten digitaler Bildtechnologie mit Fragen nach Erinnerung, Geschichte und wissenschaftlicher Rekonstruktion.

Archäologischer Fund im Zugersee als Ausgangspunkt

Die Inspiration für „Die Archäologin“ lieferte ein außergewöhnlicher archäologischer Fund im Zugersee. Die Entdeckung wurde zum Ausgangspunkt einer intensiven künstlerischen Recherche, bei der Mo Diener unterschiedliche Fachperspektiven zusammenführte. Für die Entwicklung des Werks arbeitete sie mit einer Archäologin, einem Flussvermesser und einer Musikerin zusammen. Die Beteiligten brachten wissenschaftliche, technische und musikalische Sichtweisen in das Projekt ein.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine Erzählung, die dokumentarische Informationen mit visionären Vorstellungen verbindet. Der Zugersee wird dabei zu einem Ort, an dem sich materielle Überreste vergangener Zeiten und gegenwärtige Formen der Forschung begegnen. Die Arbeit macht sichtbar, dass die Rekonstruktion von Geschichte nicht allein auf erhaltenen Gegenständen beruht, sondern auch auf Interpretation und Vorstellungskraft.

Videokunst, Fotografie und Objekte im Dialog

Neben dem zentralen Hologramm präsentiert die Ausstellung eine Vielzahl weiterer Arbeiten aus Mo Dieners künstlerischem Archiv. Dazu gehören Videos, Fotografien und Objekte, die unterschiedliche Aspekte ihres Schaffens dokumentieren. Die Werke werden nicht ausschließlich chronologisch angeordnet, sondern in Beziehung zu archäologischen und lokalen Fundstücken gesetzt.

So entsteht ein Dialog zwischen individuellen künstlerischen Erfahrungen und historischen Zeugnissen. Die Ausstellung untersucht, wie Objekte durch ihren jeweiligen Zusammenhang neue Bedeutungen erhalten können. Ein Fundstück aus der Vergangenheit kann ebenso Ausgangspunkt einer Erzählung sein wie eine fotografische Aufnahme oder ein dokumentiertes Performanceprojekt. Damit rückt Diener auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Archive aufgebaut werden und welche Geschichten sie vermitteln.

Laufenburg als historischer Bezugspunkt der Ausstellung

Eine Besonderheit der Werkschau ist die Einbindung von Fundstücken aus Laufenburg und der umliegenden Region. Die lokale Geschichte wird damit Teil der künstlerischen Präsentation. Die Stadt am Hochrhein besitzt eine lange Geschichte, die durch ihre Lage am Fluss und die Verbindung zwischen den heutigen Schweizer und deutschen Stadtteilen geprägt ist.

Mo Diener nutzt diesen historischen Kontext, um ihre eigenen Werke mit den materiellen Spuren des Ortes in Beziehung zu setzen. Die Ausstellung verbindet so überregionale Themen wie Erinnerung und Zeit mit konkreten lokalen Geschichten. Für das Publikum eröffnet sich dadurch eine doppelte Perspektive: auf die künstlerische Entwicklung Mo Dieners und auf die Vergangenheit der Region Laufenburg.

Kunst und Wissenschaft: Archäologische Spurensuche als künstlerische Methode

Die Verbindung von Kunst und Archäologie gehört zu den zentralen Themen von „Hologramm“. Während die Archäologie materielle Überreste untersucht, um vergangene Lebenswelten zu rekonstruieren, beschäftigt sich Diener mit den Möglichkeiten künstlerischer Interpretation. Beide Zugänge setzen sich mit Spuren auseinander, deren ursprünglicher Zusammenhang häufig nur teilweise erhalten ist.

Die Ausstellung greift diese Gemeinsamkeit auf und verbindet wissenschaftliche Recherche mit performativen, filmischen und räumlichen Ausdrucksformen. Dabei entsteht kein klassischer archäologischer Ausstellungsrundgang. Vielmehr werden die Fundstücke Teil eines künstlerischen Zusammenhangs, der unterschiedliche Vorstellungen von Zeit, Erinnerung und Geschichte miteinander verknüpft.

Mo Diener: Schweizer Performance- und Medienkünstlerin

Mo Diener wurde 1961 in Horgen im Kanton Zürich geboren und lebt und arbeitet heute in Zürich. Sie studierte zunächst Ethnologie, Kulturanthropologie und Religionswissenschaft. Anschließend absolvierte sie eine Ausbildung in Kunst, Design und Videokunst.

Diese unterschiedlichen fachlichen Hintergründe prägen ihre künstlerische Arbeitsweise bis heute. Seit Ende der 1980er-Jahre entwickelt sie Performances, Interventionen und Installationen, die sich mit gesellschaftlichen, kulturellen und historischen Fragestellungen beschäftigen. Ihre Arbeiten wurden auch international präsentiert.

2013 gehörte Diener zu den Mitbegründerinnen des „Roma Jam Session art Kollektivs“, das bis 2023 aktiv war. Heute betreut sie dessen Archiv und beschäftigt sich damit auch praktisch mit der Bewahrung und Vermittlung künstlerischer Prozesse.

Monografie zur Ausstellung im Verlag Scheidegger & Spiess

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine umfassende Monografie über Mo Dieners künstlerisches Schaffen.

Die Publikation wird im Schweizer Verlag Scheidegger & Spiess veröffentlicht und ist zweisprachig in Deutsch und Englisch angelegt.

Sie ergänzt die Präsentation im Rehmann-Museum und dokumentiert die Entwicklung der Künstlerin über mehrere Jahrzehnte.

Damit wird die Ausstellung nicht nur als zeitlich begrenzte Werkschau zugänglich, sondern auch als Grundlage für eine weiterführende Beschäftigung mit Dieners Arbeiten.

„Hologramm“ im Rehmann-Museum: Zwischen persönlichem Archiv und kollektiver Erinnerung

Die Ausstellung „Hologramm“ verbindet eine Retrospektive mit einer neuen künstlerischen Produktion. Während die älteren Arbeiten einen Überblick über Mo Dieners Schaffen geben, eröffnet „Die Archäologin“ einen Zugang zu aktuellen Fragen der digitalen Kunst und der Darstellung von Geschichte.

Die Verbindung von persönlichen Archiven, lokalen Fundstücken und wissenschaftlichen Recherchen macht deutlich, wie unterschiedlich Vergangenheit erschlossen und erzählt werden kann. Das Rehmann-Museum präsentiert damit eine Ausstellung, die Medienkunst, Archäologie und Erinnerungskultur miteinander in Beziehung setzt.

Produktion: arttv.ch

Mehr unter: www.rehmann-museum.ch/

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