Sie war eine Ausnahmeerscheinung des Brüsseler Barock und sprengte als Frau die künstlerischen Fesseln ihrer Zeit: Michaelina Wautier (um 1614–1689). Im Rahmen der großen Sonderausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) beleuchtete die Co-Kuratorin Charlotte Roosen in einem spannenden Vortrag die tiefen intellektuellen Wurzeln dieser Künstlerin.
Hier der Mitschnitt aus dem Bassano Saal vom 13. November 2025.
Die Antike als Inspirationsquelle
Obwohl Frauen im 17. Jahrhundert oft auf „kleine“ Sujets wie Stillleben beschränkt waren, wagte sich Wautier an die prestigeträchtige Historienmalerei. Neue Forschungen zeigen, wie intensiv sie sich mit der römischen Antike auseinandersetzte:
- Der Ganymed Medici: Wautiers einzige bekannte Zeichnung zeigt diese berühmte Skulptur, die sich damals in Rom befand. Dies wirft die spannende Frage auf: War sie selbst in Italien oder studierte sie Abgüsse in den Sammlungen von Brüssel und Antwerpen?
- Der Triumph des Bacchus: In ihrem monumentalen Hauptwerk wird der Einfluss antiker Formen besonders deutlich. Sie transformierte klassische Vorbilder in eine lebendige, barocke Bildsprache.
- Akademische Bildung: Ihre Werke zeugen von einer Bildung, die weit über das damals für Frauen übliche Maß hinausging und sie auf Augenhöhe mit Größen wie Peter Paul Rubens agieren ließ.
Zwischen Brüssel und Rom
Charlotte Roosen diskutiert in ihrem Beitrag das intellektuelle Umfeld der Malerin. Wautier lebte und arbeitete mit ihrem Bruder Charles zusammen, der ebenfalls Maler war. Der Vortrag untersucht, wie das Geschwisterpaar im Netzwerk der Zeit agierte und inwieweit Michaelina den Austausch mit zeitgenössischen Antiken-Liebehabern suchte, um ihren eigenen, unverwechselbaren Stil zu festigen.
Mehr unter: khm.at





