M.Com-Kaffeepause im Deutschen Museum: Das Atomic Energy Lab

Anzeige

In diesem Video der Reihe „M.Com-Kaffeepause“ präsentiert Karl aus der Abteilung Atomphysik des Deutschen Museums ein außergewöhnliches Relikt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts: das Gilbert U-238 Atomic Energy Lab.

Hier sind die spannendsten Fakten zu diesem „strahlenden“ Spielzeug:

Ein Kinderspielzeug mit echten Uranerzen

  • Markteinführung: Der Experimentierkasten kam 1950 auf den Markt, nur wenige Jahre nach der Entdeckung der Kernspaltung und den Atombombenabwürfen. Er sollte die „friedliche Nutzung“ der Atomenergie vermitteln und Berührungsängste nehmen.
  • Inhalt des Koffers: Für damalige Verhältnisse war der Kasten extrem gut ausgestattet. Er enthielt unter anderem eine Nebelkammer, ein Spintereskop (um radioaktive Zerfälle zu sehen), ein ** Geiger-Müller-Zählrohr** und echte Uranerze (Autunit, Torbernit, Uraninit und Carnotit).
  • Ersatzteile per Post: Waren die radioaktiven Quellen aufgebraucht, konnten sie einfach per Bestellcoupon beim Hersteller nachgeordert werden.

Sicherheit aus damaliger Sicht

  • „Total sicher“: Der Kasten wurde als vollkommen harmlos vermarktet.
  • Skurriler Warnhinweis: Ein Sicherheitshinweis in der Anleitung warnte zwar davor, Uranerz im Koffer zu verschütten, allerdings nicht aus Gesundheitsgründen. Man fürchtete lediglich, dass die erhöhte Hintergrundstrahlung im Koffer die wissenschaftlichen Ergebnisse der Experimente verfälschen könnte.

Schatzsuche im Familienurlaub

  • Belohnungsprogramm: Da die US-Regierung damals händringend nach Uranlagerstätten suchte, wurde in der Anleitung vorgeschlagen, den beiliegenden Geigerzähler beim Wandern mitzunehmen. Wer eine neue Lagerstätte fand und meldete, dem winkte eine Belohnung von 10.000 US-Dollar.

Warum war es ein Flop?

  • Der Preis: Entgegen heutiger Vermutungen wurde der Verkauf 1951 nicht aus Sicherheitsbedenken eingestellt, sondern weil er ein wirtschaftlicher Misserfolg war. Mit 49,50 Dollar (nach heutiger Kaufkraft ca. 600–700 €) war der Kasten für die meisten Familien schlicht zu teuer.

Interessantes Detail am Rande: Die Atom-Euphorie jener Zeit inspirierte sogar Ford zu einem Konzeptauto mit Kernreaktor im Heck (dem Ford Nucleon), was später als Vorbild für die berühmte Computerspielreihe Fallout diente.

Das Originalobjekt kann in der Abteilung Atomphysik im Deutschen Museum besichtigt werden.

Mehr unter: deutsches-museum.de

Anzeige

Newsletter