Fünf-Sekunden-Videos, animierte Gemälde, ein eigener Hashtag – Hessen Kassel Heritage erprobt, wie KI Sammlungsobjekte zum Leben erwecken kann. Ein ehrlicher Erfahrungsbericht über Möglichkeiten, Grenzen und den unverzichtbaren menschlichen Faktor.
Was passiert, wenn ein Rembrandt-Gemälde sich zu bewegen beginnt? Jasmin Al-Kuwaiti von Hessen Kassel Heritage in Kassel hat genau das ausprobiert – und dabei einen Workflow entwickelt, der KI-generierte Animationen, Social Media und museale Vermittlung zusammenbringt.
Am Anfang stand eine einfache Frage: Wie kann KI eingesetzt werden, um die Sammlung besser zu präsentieren? Aus einem losen Austausch mit einer Gemäldekuratorin entstand eine hausübergreifende KI-Arbeitsgruppe – vier Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Abteilungen, mit Rückendeckung der Direktion. Das Ergebnis: der „KI Monday”, ein zweiwöchentliches Format, bei dem animierte Sammlungsobjekte auf Social Media präsentiert werden – unter eigenem Hashtag, mit festem Rhythmus.
Fünf Sekunden, die etwas bewegen sollen
Al-Kuwaiti arbeitet vor allem mit generativer, bildverändernder KI, um Sammlungsobjekte kurz zu animieren – meist in fünf-Sekunden-Videos. Die Kolleginnen der KI-AG übernehmen die Weiterverarbeitung für Social Media. Parallel dazu entstand eine Medienstation für die Rembrandt-Ausstellung, bei der eine Figur buchstäblich zum Leben erwacht – mit echter Synchronstimme, auf Deutsch und Englisch. Denn die KI-Stimme, so Al-Kuwaitis Erfahrung, klingt nie so authentisch wie ein echter Mensch. Also wurde ein Sprecher engagiert. Kein Widerspruch zur KI-Nutzung – sondern eine bewusste Entscheidung.
Das Ziel des Formats ist klar: jüngere Zielgruppen ansprechen, die bislang nicht zum festen Publikum gehören. „Guck mal, was wir haben. Guck mal, was wir machen” – und im besten Fall: den Weg ins Museum finden.
Kein Ersetzen, sondern Erkunden
Zu Beginn gab es auch kritische Reaktionen: Warum KI statt menschlicher Kreativschaffender? Al-Kuwaiti antwortet darauf klar: „Es geht uns nicht ums Ersetzen. Es geht darum, unsere eigenen KI-Kenntnisse zu erweitern und herauszufinden, was wir damit können – und was nicht.”
Und was sie nicht können: Zeit sparen. KI-Arbeit ist aufwändig, erfordert ständige Kontrolle und Nacharbeit. Ihre Empfehlung an andere Häuser: ausprobieren, aber ohne Druck. Nicht alles muss sofort in die Öffentlichkeit. Auch die Erkenntnis, dass etwas zu viel Arbeitszeit kostet, ist wertvoll.
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