Jenseits des Mythos: Das Wiener Belvedere zeigt Franz Xaver Messerschmidt

Das Belvedere Wien präsentiert Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783) als Schlüsselbildhauer einer politischen und kulturellen Zeitenwende. Die Ausstellung lädt dazu ein, die berühmten „Charakterköpfe“ jenseits späterer Mythen zu betrachten und im Kontext der Aufklärung neu zu verorten.

Er gilt als ein exzentrisches Genie, dessen düstere „Charakterköpfe“ ihn bis heute zu einer der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 18. Jahrhunderts machen: Das Belvedere Wien widmet dem Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt ab dem 31. Oktober 2025 eine große Sonderausstellung im Unteren Belvedere.

Die Zeitenwende in Stein

Die Schau präsentiert Messerschmidt nicht nur als Schöpfer skurriler Grimassen, sondern als einen Künstler, dessen Porträts die gesellschaftlichen und geistigen Strukturen seiner Zeit – einer kulturellen und politischen Zeitenwende – präzise widerspiegeln.

Im Zentrum stehen seine beeindruckenden Porträts von Mitgliedern des Hofes und des Adels, sowie von Wissenschaftlern und Schriftstellern. Die Ausstellung ordnet sein Schaffen neu ein und bietet damit eine frische Perspektive auf sein Gesamtwerk.

Der Kopf in der Aufklärung

Die ab etwa 1770 entstandene Werkserie der Charakterköpfe wird als Phänomen ihrer Epoche beleuchtet: Sie ist tief eingebettet in die Ideenwelt der Aufklärung und die damals aktuelle wissenschaftliche Beschäftigung mit der Mimik und den Ausdrucksformen des menschlichen Gesichts.

Vergleiche mit Zeitgenossen wie Joseph Ducreux, William Hogarth und Jakob Matthias Schmutzer verdeutlichen, dass das intensive Interesse am Gesichtsausdruck weit über Messerschmidt hinausreichte und Teil eines europäischen Diskurses war.

Das Belvedere besitzt den weltweit größten Bestand seiner Werke und zeigt sie seit über einem Jahrhundert in seiner Dauerausstellung. Die neue Schau lädt das Publikum nun dazu ein, die Charakterköpfe jenseits der Legenden um die vermeintliche Geisteskrankheit des Künstlers zu würdigen.

Die Ausstellung ist bis zum 6. April 2026 im Unteren Belvedere zu sehen.

Mehr unter: belvedere.at

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