Jack Goldstein: Spektakel, Sound und Stille im Kunst Museum Winterthur

Foto eines Sternenhimmels bei nacht. Die Sterne ziehen aufgrund der Erddrehung runde Linien über das Bild. Am unteren Rand sind lings und rechts die Spitzen von Bäumen zu sehen.
Jack Goldstein
Untitled, 1982
Kunst Museum Winterthur, Dauerleihgabe der Kienzle Art Foundation,
2022
Getty Research Institute, Los Angeles (2021.M6) Gift of Rebecca
Donelson and Robert Blattberg. © J. Paul Getty Trust

Er wollte keine Spuren hinterlassen und schuf doch ein Werk, das die Kunstwelt nachhaltig erschütterte: Jack Goldstein (1945–2003). Das Kunst Museum Winterthur widmet der Schlüsselfigur der „Pictures Generation“ nun eine umfassende Werkschau. Unter dem Titel „Pictures, Sounds and Movies“ wird deutlich, wie visionär Goldstein die Mechanismen unserer medialen Wirklichkeit bereits vor Jahrzehnten sezierte.

Hier erfahren Sie, warum Goldsteins kühle Ästhetik heute aktueller ist denn je.

Hollywood-Präzision statt intimer Videokunst

Jack Goldstein, Absolvent des legendären CalArts, war ein Perfektionist der Distanz. Während viele seiner Zeitgenossen in den 70ern die Intimität des Videos suchten, lehnte er das Medium ab. Ihn faszinierte die technische Brillanz von 16-mm-Filmen. Er engagierte professionelle Hollywood-Crews, um Momente von existenzieller Wucht einzufangen.

Sein Meisterwerk »The Jump« (1978) zeigt einen Turmspringer, der in einer Endlosschleife in ein schwarzes Nichts eintaucht – ein ikonisches Bild zwischen purer Bewegung und vollkommener Leere.

Soundtracks ohne Film: Kino für die Ohren

Mitte der 1970er Jahre revolutionierte Goldstein die Klangkunst. Er isolierte archaische Geräusche – Explosionen, tobende Gewitter oder Tierlaute – und bearbeitete sie im Studio. Diese „Soundtracks ohne Film“ funktionieren als konzeptuelle Auslöser für tiefsitzende Erinnerungen der Hörer:innen. Er schuf Klangwelten, die im Kopf des Publikums ein eigenes Spektakel entfesseln, ohne ein einziges Bild zu zeigen.

Malerei ohne Handschrift

Ab 1980 vollzog Goldstein einen weiteren radikalen Bruch: Er wandte sich der Malerei zu, doch ohne den Pinsel selbst zu führen. In Airbrush-Technik ließen Assistenten nach seinen präzisen Vorgaben fotorealistische Gemälde entstehen.

  • Themen: Krieg, Naturphänomene und technologische Spektakel.
  • Konzept: Durch das Fehlen jeglicher persönlicher Handschrift kritisierte er die Konzepte von Autorschaft und Originalität. Das Bild wurde bei ihm zur reinen, theatralischen Oberfläche.

Eine Premiere in Winterthur

Dank einer Kooperation mit dem MAMCO Genf und Leihgaben der Kienzle Art Foundation präsentiert Winterthur erstmals eine repräsentative Auswahl dieses postmodernen Œuvres. Goldsteins Werk fordert uns heraus, unsere durch Medien, Bilder und Klänge konstruierte Realität kritisch zu hinterfragen.

Mehr unter: www.kmw.ch

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