Was für die meisten Menschen unsichtbar bleibt, macht Inge Dick sichtbar: die ständige Veränderung des Lichts. In der Landesgalerie Niederösterreich wird das beeindruckende Lebenswerk einer Künstlerin gewürdigt, die zwischen Malerei, Fotografie und Film eine ganz eigene Sprache für das Flüchtige gefunden hat.
„Zeit und Licht festzuhalten – das ist mein Lebensthema“, sagt Inge Dick. Die 1943 geborene Künstlerin, die heute in einem lichtdurchfluteten Atelier am Mondsee arbeitet, hat ein international einzigartiges Werk geschaffen, das die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung auslotet.
Von der Malerei zum „weißen Bild“
Geprägt durch ihre Mutter, die ebenfalls Malerin war, begann Inge Dick früh mit figürlichen Zeichnungen, entwickelte sich jedoch konsequent hin zur Abstraktion. Ein Markenzeichen wurden ihre „weißen Bilder“. Doch Weiß ist bei Dick nie einfach nur Weiß:
- Sinnlichkeit der Materie: Sie nutzt Spachteln statt Pinsel, um die Ölfarbe fast plastisch zu modellieren und so Ruhe und Konzentration zu vermitteln.
- Farbnuancen: Die Bilder fordern die Wahrnehmung heraus, indem sie feinste Farbunterschiede sichtbar machen, die sich je nach Lichteinfall verändern.
Das Licht als Akteur: Fotografie und Film
Da ihre subtilen Malereien kaum für Kataloge zu fotografieren waren, begann Dick selbst zur Kamera zu greifen. In ihrem Wiener Atelier entdeckte sie, wie sich das Licht poetisch über die Wände bewegt, und hielt dieses „Licht im Vergehen“ in Schwarz-Weiß-Serien fest.
- Das Prinzip der Serie: Für Dick ist nicht das Einzelbild entscheidend, sondern die Abfolge. Nur in der Serie lässt sich der Zeitverlauf und die zarte Lichtveränderung nachvollziehen.
- Das Abenteuer Polaroid: In den 80er Jahren experimentierte sie mit der Polaroid-Kamera. Besonders faszinierte sie die kornlose Tiefe und die Unmittelbarkeit des Resultats, das an Malerei erinnert.
- Die größte Kamera der Welt: Ein Höhepunkt war die Arbeit mit der riesigen Polaroid-Kamera in Boston, mit der sie über zweieinhalb Meter große Unikate von unglaublicher Farbtiefe schuf.
Neue Wege nach dem Ende von Polaroid
Als das Polaroid-Material vom Markt verschwand, orientierte sich Dick neu und entdeckte den Film. Sie drehte monumentale Filme über die Farben Rot, Blau (auf dem Sonnblick) und Weiß. In ihrem Atelier filmte sie über 13,5 Stunden hinweg einen rein weißen Raum und machte so die dramatischen Lichtveränderungen der vier Jahreszeiten sichtbar.
Goldene Korrespondenzen
In jüngerer Zeit widmet sich Inge Dick auch der Farbe Gold. Mit kleinen Blattgold-Plättchen baut sie Strukturen auf, die in ihrem Aufbau an ihre weißen Bilder erinnern und mit diesen in einen spannenden Dialog treten.
Inge Dick ist eine visionäre Gestalterin, der es gelingt, das, was unser Auge normalerweise wegfiltert – die ständige Adaption an das Licht –, in statischen Bildern und Filmen für uns festzuhalten.
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