Ritter und Burgen? Sicherlich. Doch das wahre Mittelalter spielte sich in den Stuben, auf den Märkten und hoch oben auf den Alpwiesen ab. Das Museum Burg Zug räumt in seiner neuen Sonderausstellung mit dem Mythos des „finsteren Zeitalters“ auf und zeigt die Zentralschweiz als eine Region im rasanten Aufbruch.
Zwischen 1200 und 1550 erlebte die Zentralschweiz eine Transformation, die unser heutiges Bild der Region bis heute prägt. Die Ausstellung «hûs, stat, fëld – Mittelalter in der Zentralschweiz» nimmt die Besucher mit in eine Epoche, in der Städte aus dem Boden gestampft wurden und der Gotthardpass zum Tor der Welt avancierte.
Zwischen Export-Boom und Alpenglück
In Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug (ADA) präsentiert die Burg Zug über 300 Objekte, die den Alltag zwischen See und Gipfel greifbar machen. Die Ausstellung räumt mit den Stereotypen von “harten Kerlen” und “holden Maiden” auf und stellt stattdessen das echte Leben in den Fokus:
- Der globale Viehhandel: Erfahren Sie, wie die Bergbevölkerung den Export für sich entdeckte und ihre Viehwirtschaft auf die Bedürfnisse des Fernhandels über die Alpenpässe zuschneiderte.
- Handwerk und Stube: Treten Sie ein in eine rekonstruierte mittelalterliche Stube und erkunden Sie die präzisen Techniken des städtischen Handwerks.
- Glaube und Gemeinschaft: Tauchen Sie ein in eine Welt, in der das Dorfleben und die tiefe Frömmigkeit den Takt des Alltags vorgaben – bei der harten Arbeit auf dem Feld ebenso wie bei rauschenden Festen.
Die Zentralschweiz aus der Vogelperspektive
Ein technologisches Highlight der Schau ist das interaktive Landschaftsmodell. Es ermöglicht den Besuchern, die Entwicklung der Region aus der Vogelperspektive zu verfolgen. Per Knopfdruck lässt sich beobachten, wie die Siedlungen wuchsen, Wege entstanden und die Landschaft über die Jahrhunderte ihr Gesicht veränderte.
Warum das Mittelalter nicht düster war
Die Kuratoren zeigen deutlich: Die Epoche war farbenfroh, geschäftig und innovativ. Von den Gärten im Tal bis hinauf zu den höchsten Alpweiden wird ein Panorama gezeichnet, das die Bewohner der Zentralschweiz nicht als rückständig, sondern als anpassungsfähig und vernetzt präsentiert.
Profuktion: arttv.ch
Mehr unter: www.burgzug.ch





