Heute 19:00: Der Funke des Lebens: Prof. Oliver Trapp über die chemische Evolution

Wie wurde aus totem Stein und Gas eine lebendige Zelle? Diese Frage gehört zu den größten Rätseln der Naturwissenschaft. Am 11. März 2026 gibt Prof. Dr. Oliver Trapp im Deutschen Museum München Einblicke in ein Szenario, das die Entstehung des Lebens nicht als biologisches Wunder, sondern als konsequente Folge chemischer Prozesse beschreibt.

Bevor die Biologie übernahm, herrschte die Chemie. In der Ära der sogenannten chemischen Evolution verwandelten sich einfache Gase der Uratmosphäre in die komplexen Bausteine, die wir heute in jeder unserer Zellen finden.

Die Erde als gigantisches Labor

Das Szenario, das Oliver Trapp entwirft, beginnt in einer unwirtlichen Welt. Kohlendioxid aus der Atmosphäre traf auf vulkanisches Gestein und Eisen aus Meteoriteneinschlägen. Diese Materialien fungierten als Katalysatoren – chemische Beschleuniger, die Reaktionen überhaupt erst ermöglichten.

  • Vom Gas zum Molekül: Unter diesen Bedingungen entstanden erste organische Verbindungen.
  • Präbiotische Netzwerke: Aus einfachen Molekülen bildeten sich komplexe Systeme, die Aminosäuren, Zucker und Coenzyme hervorbrachten.
  • Selbstorganisation: Die Forschung zeigt, dass sich Katalysatoren in dieser „Ursuppe“ spontan selbst bilden können und eine erstaunliche Vielfalt an Funktionen entwickeln.

Symmetriebrechung: Warum das Leben „linkshändig“ ist

Ein besonderer Fokus der Arbeit von Oliver Trapp liegt auf der Chiralität (Händigkeit) von Molekülen. In der Natur kommen viele Bausteine des Lebens fast ausschließlich in einer von zwei spiegelbildlichen Formen vor.

  • Autokatalyse: Trapp untersucht Netzwerke, die sich selbst verstärken. Solche autokatalytischen Reaktionen können zu einer „Symmetriebrechung“ führen, bei der eine Form die Oberhand gewinnt – ein entscheidender Schritt zur Entstehung funktionaler Protozellen.
  • Hochtechnologie im Einsatz: Mit Hochdurchsatzmethoden und hochauflösender Massenspektrometrie macht sein Team diese unsichtbaren Netzwerke auf molekularer Ebene sichtbar.

Zur Person: Ein Brückenbauer der Disziplinen

Prof. Dr. Oliver Trapp ist nicht nur Chemiker, sondern agiert an der Schnittstelle zur Astronomie und Physik. Als Max-Planck-Fellow am MPI für Astronomie in Heidelberg und Projektleiter am Exzellenzcluster ORIGINS sucht er nach den universellen Gesetzen, die Materie zum Leben erwecken.

Mehr unter: deutsches-museum.de

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