Günter Brus im Kunsthaus Bregenz

Roman Grabner, Leiter des BRUSEUM in Graz, spricht über die Ausstellung von Günter Brus. Die Ausstellung ist bis 20. Mai 2024 im Kunsthaus Bregenz zu sehen.

Ein Mann in Weiß, überzogen mit Dispersionsfarbe, durchtrennt von einer schwarzen Linie: Am 6. Juli 1965 schreitet Günter Brus über den Wiener Heldenplatz. Sein Wiener Spaziergang wird zum bewegten Mahnmal, zum Protest gegen das autoritäre Klima der Zeit – und endet mit seiner Verhaftung. Diese Grenzüberschreitung markiert den Beginn einer Kunst, die den Körper selbst zum Bildträger macht.

Bereits 1964 hatte Brus in seiner ersten Performance Ana den eigenen Körper in Malfläche und Malakt verwandelt. Die „Selbstbemalung“ führte er fort und radikalisierte sie: aus weißem Grund und schwarzen Linien wurden Selbstverletzungen, aus Malerei ein Akt der existenziellen Drastik. „Die Bildfläche hat ihre Funktion als alleiniger Ausdrucksträger verloren“, notierte er 1965. „Durch die Einbeziehung meines Körpers entsteht ein Geschehen, dessen Ablauf die Kamera festhält und der Zuschauer miterleben kann.“

Das Kunsthaus Bregenz widmet Günter Brus (1938–2024) nun erstmals eine umfassende Ausstellung. Gezeigt werden die fotografischen Dokumente seiner legendären Aktionen sowie großformatige informelle Malereien, die von aggressiven Gesten, Zerrissenheit und Todestrieb durchzogen sind. Die Werke lassen den Körper als Ort von Verletzung, Widerstand und radikaler Selbstbefragung sichtbar werden.

Brus zählt gemeinsam mit Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler zu den Begründern des Wiener Aktionismus. Er war Maler, Zeichner, Performer, Schriftsteller – und ein Pionier der Body Art. Sein Werk, das auf der documenta in Kassel (1972, 1977, 1982) ebenso präsent war wie in Institutionen wie dem Centre Pompidou, der Albertina oder dem MACBA, steht für eine Kunst, die Grenzen überschreitet und die Verletzlichkeit des Menschen ins Zentrum rückt. Seit 2011 ist ihm in Graz mit dem BRUSEUM ein eigenes Museum gewidmet.

Die Bregenzer Ausstellung macht deutlich, warum Brus zu den bedeutendsten Künstler*innen Österreichs zählt: Seine Kunst ist eine radikale Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Körper und Existenz – eine verstörende, zugleich befreiende Erfahrung.

Mehr unter: www.kunsthaus-bregenz.at

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Museum Angewandte Kunst | Grafik: Bureau Sandra Doeller

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