Glanzlichter: Hinterglasmalerei im Dialog der Jahrhunderte im Winkelriedhaus

Das Nidwaldner Museum Winkelriedhaus präsentiert eine Schau, die das Auge herausfordert: Hinterglasmalerei. Was oft als reine Volkskunst unterschätzt wird, entpuppt sich in der Ausstellung „Glanzlichter“ als hochspannendes Medium, in dem Licht, Farbe und Spiegelung auf einzigartige Weise verschmelzen.

Unter der Kuration von Bettina Staub treffen meisterhafte historische Exponate auf zeitgenössische Positionen. Es ist ein Spiel mit der Wahrnehmung, bei dem die gläserne Oberfläche nicht nur Bildträger, sondern aktiver Teil der Inszenierung ist.

Wenn „Handy Girls“ auf Heilige treffen

Die Ausstellung bricht mit Sehgewohnheiten, indem sie Themenwelten über die Epochen hinweg verknüpft:

  • Moderne Kontemplation: Die Serie Handy Girls von Silvia Gertsch zeigt junge Frauen, die im bläulichen Licht ihrer Smartphones versunken sind. In der Gegenüberstellung mit lichtumfluteten Heiligenbildern des 18. Jahrhunderts entstehen verblüffende Parallelen in Gestik und Atmosphäre.
  • Nachtlandschaften und Ölskizzen: Die expressiven Petits Cauchemars von Romuald Etter treten in einen Dialog mit den seltenen, hinter Glas gemalten Ölskizzen des berühmten Luzerner Malers Robert Zünd. Beiden gemeinsam ist der mutige, fast greifbare Pinselstrich.
  • Volkskunst und Abstraktion: Während Esther Wicki-Schallberger und Franz Amstad die religiöse Tradition neu interpretieren, bricht Flavio Micheli die Technik radikal auf. Seine grossformatigen Abstraktionen auf Opalglas zeigen die ganze Bandbreite des Materials im 21. Jahrhundert.

Die Blütezeit der Zentralschweizer Glaskunst

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die kostbaren Werke der Künstlerfamilien Abesch (Sursee) und Meyer (Grosswangen). Sie stehen stellvertretend für die Blütezeit der Hinterglasmalerei im 18. Jahrhundert, als die Zentralschweiz ein Zentrum dieser anspruchsvollen Technik war.

Das Phänomen Glas: Farbe, Licht und Spiegelung

Was macht die Faszination Hinterglasmalerei aus? Es ist die physikalische Besonderheit:

  • Emailartige Leuchtkraft: Da die Farbe direkt hinter dem Glas liegt, bewahrt sie über Jahrhunderte eine Brillanz, die Leinwandgemälde oft vermissen lassen.
  • Eingebauter Betrachter: Durch die Spiegelungen auf der Glasoberfläche werden die Besucher und der Raum Teil des Bildes – ein Effekt, den die zeitgenössischen Künstler heute ganz bewusst einsetzen.

Mehr unter: nidwaldner-museum.ch

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