Giorgio Morandi. Resonanzen: Ein stiller Dialog im Museum für Gegenwartskunst Siegen

Das Museum für Gegenwartskunst Siegen widmet dem italienischen Meister der Stille, Giorgio Morandi, eine umfassende Retrospektive. Unter dem Titel „Giorgio Morandi. Resonanzen“ beleuchtet die Ausstellung bis zum 22. März 2026 das Werk des zweiten Rubenspreisträgers der Stadt in einer neuen Tiefe.

Kurator Christian Spies führt in einem aktuellen Video durch die Ausstellung, die als eine der umfangreichsten Präsentationen des Künstlers in Deutschland gilt. Gezeigt werden über 60 Werke Morandis – vom Früh- bis zum Spätwerk. Die Schau versammelt dabei nicht nur die berühmten Stillleben, sondern gibt mit Zeichnungen und Aquarellen auch Einblick in weniger bekannte Facetten seines Schaffens.

Vom Einzelgänger zum Dialogpartner

Lange Zeit galt Giorgio Morandi (1890–1964) in der Kunstgeschichte als der große Einsiedler aus Bologna. Kurator Spies hinterfragt dieses Bild: „Morandi hat sein eigenes Arbeitsprinzip dadurch bestimmt, dass er sich als Dialogpartner Objekte gesucht hat.“ Die Ausstellung verdeutlicht, wie der Künstler diese Objekte – Flaschen, Vasen, Kannen – in immer neuen Konstellationen auf der Leinwand arrangierte, um ihre Beziehungen zueinander zu erforschen.

Dieses Prinzip des Dialogs überträgt die Ausstellung auch auf die Kuration selbst. Der Untertitel „Resonanzen“ verweist auf das Zusammentreffen von Morandis Arbeiten mit Werken anderer Künstlerinnen und Künstler. Dabei geht es laut Spies nicht um historische Einflussnahme, sondern um die ästhetische Spannung, die entsteht, wenn unterschiedliche Bildsprachen im Raum aufeinandertreffen – ähnlich wie die Gegenstände auf Morandis Tischen.

Serialität als künstlerisches Programm

Ein Herzstück der Ausstellung bildet das Thema der Serialität. Besucher können anhand konkreter Werkgruppen nachvollziehen, wie Morandi dasselbe Motiv immer wieder variierte. Besonders eindrücklich zeigt dies eine Serie mit einer gelben Flasche, die mal als Protagonistin im Zentrum steht, mal von anderen Objekten verdeckt wird oder sich in späteren Werken gar verdoppelt. Auch die Landschaften, die Morandi malte, folgen dieser Logik: Es sind keine zufälligen Ausblicke, sondern vertraute Umgebungen seines Hauses in Bologna oder seines Wochenendhauses in Grizzana, die er so intensiv studiert hat wie seine Stillleben-Objekte.

Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt bei der bedeutenden Morandi-Werkgruppe der Sammlung Lambrecht-Schadeberg und wurde durch zahlreiche internationale Leihgaben ergänzt. Ein besonderes Highlight ist dabei jenes Werk mit einer weißen Kaffeekanne, das Morandi der Stadt Siegen 1962 anlässlich seiner Ehrung mit dem Rubenspreis schenkte.

Die Ausstellung „Giorgio Morandi. Resonanzen“ ist noch bis zum 22. März 2026 im MGKSiegen zu sehen.

Produktion: Ralph Goertz ‪@iksmedienarchiv‬

Mehr unter: www.mgksiegen.de

Museumskalender

Bild mit der Aufschrift "Museumsnachrichten". Link zu den Nachrichtentexten auf museumsfernsehen.de

Newsletter