In einer gemeinsamen Veranstaltung des Brandenburg Museums für Zukunft, Gegenwart und Geschichte und des Netzwerks Zeitgeschichte diskutieren die Autorin und Aufklärerin Susanne Siegert sowie Lara-Maria Myller vom Netzwerk Zeitgeschichte über die Zukunft der Erinnerungskultur. Angesichts eines gesellschaftlichen Rechtsrucks, zunehmenden Antisemitismus, Rassismus und Homophobie stellt sich die Frage dringlicher denn je, wie Gedenkstättenarbeit heute aussehen sollte.
Ausgangspunkt ist Siegerts Buch „Gedenken neu denken“, in dem sie eine Erinnerungskultur kritisiert, die sich in ritualisierten Formen erschöpfe und an großen Teilen der Bevölkerung vorbeigehe. Eine Kultur, so Siegert, die durch die starke Identifikation mit den Opfern zugleich zur Entlastung der Nachfahren der Täter beitrage. Sie plädiert für eine pluralistische Perspektive, die Verantwortung und familiäre Verstrickungen deutlicher einbezieht – ohne dabei die Verpflichtung gegenüber den Opfern zu vergessen. Denn Gedenkstätten sind weiterhin Orte der Trauer und des Respekts, keine Archive für Täterforschung.
Gemeinsam mit Myller diskutiert sie, wie ein zeitgemäßes, inklusives Gedenken an historischen Orten des NS-Terrors aussehen kann. Dabei rückt auch ein gesellschaftlicher Wandel in den Fokus: Immer mehr Menschen der Enkelgeneration beginnen, das lange Schweigen in Familien mit NS-Belastung zu hinterfragen und eigene Familiengeschichten zu erforschen. Schuldgefühle, Ängste und generationsübergreifende Prägungen werden sichtbarer – und fordern neue Formen des Dialogs.
Moderiert von Petra Haustein eröffnet das Gespräch einen vielschichtigen Blick auf Erinnerungspolitik zwischen Bildungsauftrag, gesellschaftlicher Verantwortung und digitaler Vermittlung. Mit ihren reichweitenstarken Social-Media-Kanälen erreicht Siegert heute Hunderttausende und wurde 2024 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet. Myller bringt ihre Expertise aus der Gedenkstätten- und Politikforschung ein.
Gemeinsam fragen sie: Wie kann Gedenkarbeit in einer polarisierten Gesellschaft wirken – und was braucht es, damit sie auch die Generationen erreicht, für die Geschichte nicht mehr durch persönliche Begegnungen erfahrbar ist?
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