m Kunsthaus Hamburg bricht der Künstler Daniel Hopp gewohnte Machtstrukturen auf. Sein Projekt „Fictional Healing“ führt an die sozialen Brennpunkte Deutschlands und stellt eine radikale Frage: Was passiert, wenn man Drogenabhängigen nicht Hilfe, sondern die Regie über ihr eigenes Leben anbietet?
Daniel Hopp arbeitet dort, wo die Orientierung schwindet. An der Schnittstelle von Performance, Video und Film sucht er Orte auf, an denen gängige Kategorien versagen. Für seine aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Hamburg begab er sich gemeinsam mit seiner Produzentin Anja Kovic an die Drogenhotspots von Berlin, Hamburg und München. Doch er kam nicht als Dokumentarfilmer im klassischen Sinne – er kam als Käufer von Zeit.
Vom Konsum zur Kreation
Der Kern von „Fictional Healing“ ist ein ebenso simpler wie provokanter Tausch: Hopp kaufte die „Spielzeit“ von Menschen, die im harten Kreislauf der Beschaffungskriminalität gefangen sind. In einer Welt, in der Zeit fast ausschließlich der Droge gewidmet ist, schuf dieses Honorar einen Freiraum für etwas völlig anderes: die Fiktion.
Die Betroffenen wurden nicht als Subjekte einer Reportage betrachtet, sondern als Autorinnen und Autoren angestellt. Sie entwickelten Szenen, artikulierten Fantasien und schlüpften in die Rolle der Regie, um professionelle Schauspieler anzuleiten. „Es war ein Versuch, punktuell etwas zu verändern“, erklärt Hopp im Video zur Ausstellung. Indem der Fokus kurzzeitig von der Substanz weg auf das kreative Schaffen gelenkt wurde, verschoben sich die Machtverhältnisse fundamental.
Transparenz der Macht
Hopp selbst bleibt dabei kein unbeteiligter Beobachter. In seinen Arbeiten übernimmt er oft mehrere Rollen, die im Prozess auch scheitern oder zusammenbrechen dürfen. Er macht keinen Hehl daraus, dass auch er Teil der bestehenden Strukturen ist. Statt die eigene Machtposition zu verschleiern, macht er sie sichtbar und thematisiert die Distanz zu den oft sehr persönlichen und nahen Themen.
Die Architektur der Sucht
Die Ausstellung im Kunsthaus ist als räumliche Erfahrung konzipiert. Die Architektur orientiert sich an öffentlichen Orten wie dem „Drop-in“. Im vorderen Teil der Halle dokumentieren Filme die ersten Berührungspunkte und die gemeinsame Ideenentwicklung. Besonders eindringlich: KI-generierte Bilder bringen die Visionen der Beteiligten in den Raum, bevor der Rundgang in einer großen Projektion gipfelt. Dieser finale Film ist eine Verdichtung aller in monatelanger Arbeit gesammelten Fantasien – ein „Fictional Healing“, das die Realität nicht leugnet, aber durch die Kraft der Erzählung für einen Moment aufbricht.
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