Die Kunstkomplizen: PRINZpod und das Abenteuer der Zusammenarbeit. Werkstattgespräch

In einer Welt, die oft den einsamen Geniekult feiert, zeigt das Wiener Künstlerduo PRINZpod – bestehend aus Brigitte Prinzgau und Wolfgang Podgorschek –, dass wahre Größe in der Komplizenschaft liegt. Im Kultum Graz diskutierten sie gemeinsam mit der Regisseurin Eva Schlegel über den neuen Dokumentarfilm „Die Kunstkomplizen“, der tiefe Einblicke in ihr gemeinsames Schaffen und Leben gewährt.

Graz. Das Gespräch im Kultum bildet den Rahmen für eine Reflexion über 40 Jahre gemeinsame künstlerische Arbeit. Der Film von Eva Schlegel, der gerade seine Premiere bei der Diagonale feierte, ist das Ergebnis einer zweieinhalbjährigen Begleitung des Paares.

Der Ursprung der filmischen Reise

Regisseurin Eva Schlegel kennt das Duo seit ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung im Jahr 1984. Ausschlaggebend für den Film war unter anderem eine beeindruckende Installation im OK Linz („Das Auge der Architektur“), bei der eine leere Säule durch mehrere Stockwerke gebohrt wurde, durch die Wassertropfen auf eine heiße Herdplatte im Keller fielen. Diese Kombination aus Humor, politischer Schärfe und minimalistischer Ästhetik faszinierte die Filmemacherin nachhaltig.

Komplizenschaft als Lebensmodell

Im Zentrum des Films steht die Frage, wie zwei Individualisten über Jahrzehnte so eng zusammenarbeiten können, ohne sich – wie Schlegel scherzhaft bemerkt – „abzustechen“.

  • Synergie der Disziplinen: Während Wolfgang oft als derjenige mit dem Hang zur Theorie und Mathematik (oder „Sympathie für Zahlen“) wahrgenommen wird, ist es oft Brigitte, die Dinge materialisiert und, wie Wolfgang es nennt, „feminisiert“.
  • Das Archiv des Alltags: Ihr Zuhause in einer ehemaligen Waschküche der ÖBB fungiert gleichzeitig als Lebens- und Wirkstätte. Der Film zeigt die „Wunderkammer“ ihrer Ideen, in der selbst Zwiebelnetze oder Krapfenschachteln zu mathematischen oder künstlerischen Objekten transformiert werden.

Die Baustelle als Geschenk

Ein ungeplantes Highlight des Films war die jahrelange Baustelle in ihrem Wohnhaus. Was für das Paar eine enorme Belastung darstellte – zeitweise lebten sie im Winter eine Woche ohne Fenster –, erwies sich für die Dramaturgie des Films als „Geschenk“. Es zeigt die Resilienz der Künstler, die selbst aus dem Baustellenstaub neue fotografische Räume und Ideen schöpften.

Kunst im Alter und neue Perspektiven

Der Film scheut sich nicht, auch das Thema Altern und die damit einhergehende Veränderung der körperlichen Präsenz zu thematisieren. Wolfgang reflektiert über den Übergang vom „schwebenden Menschen“ zum eher „taumelnden“, was sich auch in neuen, kleinformatigen Arbeiten und Wortfindungen niederschlägt.

PRINZpod beweisen, dass Kunst kein abgeschlossenes Produkt ist, sondern ein permanentes „Geflecht“, an dem man täglich weiterwebt.

Mehr unter: kultum.at

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