Die Kraft des Erinnerns: Wenn das Schweigen der Ahnen die Enkel prägt

Der Zweite Weltkrieg endete 1945, doch in den Wohnzimmern der Nachkriegsgenerationen blieb er präsent – oft als bleierne Stille oder unerklärlicher Schmerz. Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung hatte am März 2026 zur Premiere des Dokumentarfilms „Die Kraft des Erinnerns“ eingeladen, gefolgt von einem hochkarätig besetzten Podiumsgespräch.

Was bedeutet es für ein Leben, wenn die Traumata der Großeltern unbewusst mit am Küchentisch sitzen? Der Film beleuchtet das Phänomen der transgenerationalen Weitergabe und zeigt, dass Flucht, Vertreibung und Kriegsschuld keine abgeschlossenen historischen Akten sind, sondern aktive Kräfte in der DNA heutiger Familien.

Sechs Reisen, eine Erkenntnis

Der Dokumentarfilm begleitet sechs Menschen auf ihren emotionalen Spurensuche. Dabei geht es nicht nur um historische Fakten, sondern um das Nachspüren von Familiennarrativen:

  • Schatten der Vergangenheit: Wie beeinflusst das Handeln der Vorfahren das Selbstbild der Nachgeborenen?
  • Flucht und Vertreibung: Zwei der Porträts widmen sich explizit dem Verlust der Heimat und der lebenslangen Suche nach Zugehörigkeit.
  • Verstrickung und Trauma: Der Film scheut nicht den Blick auf die dunklen Seiten – die Verstrickungen in das NS-System und die daraus resultierenden Traumatisierungen, die oft über Jahrzehnte verschwiegen wurden.

Das Podiumsgespräch: Hinter den Kulissen der Erinnerung

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutierten die Filmemacher über die Entstehung und die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas.

  • Gäste: Die Filmemacher Roland Remus, Sabine C. Langer und Thomas Knüppel.
  • Moderation: Dr. Nils Köhler, Bereichsleiter Dokumentation und Forschung am Dokumentationszentrum.

Das Gespräch ging der Frage nach, wie wir einen heilsamen Umgang mit belastenden Familiengeschichten finden können. Es ist eine Einladung, das Erinnern nicht als Last, sondern als Werkzeug zur Versöhnung und zur eigenen Identitätsfindung zu begreifen.

Mehr unter: www.flucht-vertreibung-versoehnung.de

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