Vom New Yorker Trubel in die Abgeschiedenheit des steirischen Waldes: Wolfgang Hollegha ist einer der bedeutendsten Maler der Abstraktion, dessen Werk nun im Museum Reinhard Ernst (mre) in Wiesbaden gewürdigt wird. Ein Blick hinter die Kulissen seines Sommerateliers offenbart ein einzigartiges Lebens- und Kunstkonzept.
Wiesbaden/Steiermark. Wer Wolfgang Hollegha verstehen will, muss den Weg in sein Sommeratelier antreten. Versteckt im Wald, weit weg von der Hektik der Großstadt, schuf sich der Künstler einen Ort des maximalen Fokus. Nach einem Aufenthalt in New York entschied er sich bewusst gegen die Kunstmetropole und für die Natur, um sich ganz auf seine Bilder zu konzentrieren.
Abstraktion mit gegenständlicher Wurzel
Holleghas Bilder wirken auf den ersten Blick vollkommen abstrakt, doch ihre Basis ist oft überraschend konkret. Als Ausgangspunkt dienten ihm alltägliche Gegenstände, wie zum Beispiel ein einfacher Korb. In seinen Zeichnungen baute er die Proportionen und Formen auf, um sie dann in großformatige Malerei zu überführen. Für Hollegha war dieser Prozess des Abstrahierens der Kern jedes Bildes.
Ein Atelier ohne Staffelei
Besucher seines Ateliers suchen vergeblich nach einer klassischen Staffelei. Stattdessen arbeitete Hollegha auf einer horizontalen Platte. Der Grund: Die Farben waren so dünnflüssig, dass er nur so die Kontrolle über das Schütten und Verfließen behalten konnte. Um den Überblick über seine riesigen Leinwände zu behalten, baute er sich eine Art „Hochsitz“ – eine Plattform unter der Decke, von der aus er das Werk aus der Distanz betrachten konnte.
Die Architektur der Durchreise
Auch der Transport der monumentalen Werke aus der Einsamkeit in die Welt war Teil von Holleghas Plan. Seine Architektur war exakt auf sein Kunstverständnis zugeschnitten: Da die Bilder für normale Türen oft zu groß waren, integrierte er einen speziellen Schlitz in das Gebäude. Durch diese „Durchreiche in die Welt“ verlassen die Gemälde das Atelier, um nun ihren Weg nach Wiesbaden zu finden.
Warum man Hollegha sehen muss
Oliver Kornhoff, Direktor des Museum Reinhard Ernst, sieht in Holleghas Werk eine Einladung, unsere oft banale Wirklichkeit mit wertschätzenden Augen neu zu entdecken. Die Ausstellung verspricht ein Abenteuer für die Sinne, das weit über normale Gemälde hinausgeht.
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