Das teuerste Buch der frühen Neuzeit – und eine königliche Zensur

In der aktuellen Ausstellung der Staatlichen Münzsammlung München ist ein außergewöhnliches Leihstück aus der Staatsbibliothek zu sehen: ein Prachtband im Dienst des Sonnenkönigs – und die Geschichte, wie Ludwig XIV. seine eigenen Künstler aus dem Buch streichen ließ.

Ein Buch, das 60 Millionen Euro wert wäre

Wer die aktuelle Ausstellung der Staatlichen Münzsammlung München besucht, entdeckt in einer Vitrine ein Objekt von außergewöhnlichem Rang: einen Prachtband aus der Staatsbibliothek München, der zu den kostbarsten Büchern der gesamten frühen Neuzeit zählt. Würde man ihn heute herstellen, wäre ein Budget von rund 60 Millionen Euro nötig. Zu sehen ist das Original – unangetastet hinter Glas – sowie eine zweite Auflage aus etwa 20 Jahren später, die angefasst und gezeigt werden darf.

Zehn Jahre Arbeit – und dann der königliche Blick ins Buch

Das Werk entstand nach rund zehn Jahren intensiver Arbeit. Dutzende Künstler, Gelehrte und Autoren wirkten daran mit – ein gewaltiges kollektives Projekt im Dienst der Selbstdarstellung Ludwigs XIV. Als das Team fertig war, erhielt es Audienz beim König und durfte ihm den Band vorlegen. Was dann geschah, ist eine der denkwürdigsten Anekdoten der Kunstgeschichte: Der König blätterte durch das Buch, bemerkte die Signaturen der beteiligten Künstler in den Stichen – und ließ sie kurzerhand entfernen.

Der König will keine Konkurrenz beim Ruhm

Seine Begründung war so simpel wie aufschlussreich: Das Buch solle seinen Ruhm feiern – nicht den der Künstler. Also zogen die Beteiligten wieder ab und schufen eine neue Auflage, die aussieht wie die erste, in der aber nahezu alle Künstlersignaturen getilgt sind. Nur ganz vereinzelt, gleichsam heimlich eingeschmuggelt, findet sich hier und da noch ein Namenszeichen – ansonsten erscheint Ludwig XIV. als einzige Quelle und gleichsam als Autor des gesamten Werks.

Ein Zeugnis absolutistischer Selbstinszenierung

Der Band ist damit mehr als ein Prachtbuch – er ist ein Lehrstück über die Mechanismen absolutistischer Herrschaftsdarstellung. Was als kollektives Kunstprojekt begann, wurde durch königliche Zensur zum Instrument der Alleinherrschaft umgeschrieben. Noch heute lässt sich in der Ausstellung nachverfolgen, wie der Sonnenkönig die Kunst in seinen Dienst stellte – bis in die Fußnoten hinein.

Mehr unter: www.staatliche-muenzsammlung.de

Newsletter