Das MARKK erfindet sich neu – Barbara Plankensteiner im Gespräch mit der Architektin Lina Ghotmeh

In diesem Gespräch im Vorlesungssaal des Museums blicken Museumsdirektorin Barbara Plankensteiner und die renommierte Architektin Lina Ghotmeh auf die Zukunft des MARKK (Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt). Das Modernisierungsprojekt zielt darauf ab, die koloniale Geschichte des Gebäudes zu dekolonisieren und einen Raum für zeitgenössische Begegnungen zu schaffen.

Das historische Gebäude des MARKK, tief verwurzelt in der Geschichte Hamburgs als Hafenstadt, steht vor einer radikalen Transformation. Die Architektin Lina Ghotmeh und Direktorin Barbara Plankensteiner planen eine Neugestaltung, die das Museum aus seiner „Vergangenheitsschleife“ holt und für die Nachbarschaft sowie die Welt öffnet.

Die Architektur der Dekolonisierung

Das Gebäude selbst spiegelt Machtstrukturen und die koloniale Vergangenheit wider. Die Herausforderung besteht darin, diese schwere Geschichte in einen modernen, einladenden Raum zu verwandeln:

  • Porenbildung und Zugänglichkeit: Das bisher eher verschlossene Gebäude soll durchlässiger und barrierefrei werden.
  • Licht als Schlüsselelement: Die oft dunklen Räume sollen durch gezielten Einsatz von Licht eine neue, zeitgemäße Atmosphäre erhalten, ohne den historischen Charme des Handwerks (Holz, Marmor, Glas) zu verlieren.
  • Der Vorplatz als Bindeglied: Der Außenbereich soll in ein Landschaftsareal verwandelt werden, das die Natur einbezieht und Menschen neugierig auf das Innere macht.

Hamburgs Geschichte als roter Faden

Lina Ghotmeh entdeckte faszinierende Parallelen zwischen der Museumsarchitektur und der Hamburger Hafengeschichte.

  • Lagerhaus-Typologie: Die Struktur der Ausstellungsräume mit ihren Säulen erinnert stark an die klassischen Hamburger Speicherhäuser.
  • Verknüpfte Geschichten: Das Museum soll die Geschichte von Transport, Reisen und dem Ursprung seiner Sammlungen offen thematisieren und so seine Verankerung in der Stadt Hamburg betonen.

Ein Museum für Menschen, nicht nur für Objekte

Die Vision für das neue MARKK ist ein Ort der „kulturellen Diplomatie“ und des Dialogs.

  • Aktive Besucherrolle: Besucher sollen nicht nur passive Betrachter sein, sondern in Interaktion mit den Objekten treten – ein „Perspektivwechsel“ steht im Zentrum der Erfahrung.
  • Gegenwartsrelevanz: In einer Zeit zunehmender Spaltung soll das Museum ein Ort der Begegnung und des gegenseitigen Verständnisses sein, an dem Geschichte kritisch hinterfragt und die kulturelle Vielfalt der Welt gefeiert wird.

Das MARKK bereitet sich darauf vor, nicht nur ein Museum der Vergangenheit, sondern ein aktiver Teil der städtischen Zukunft zu werden.

Mehr unter: markk.de

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