Klang, Raum, Begegnung: Christoph Meier in der Kunsthalle Wien

Für die Ausstellung „Lebt und arbeitet in Wien” hat der Wiener Künstler Christoph Meier eine Glocke entworfen, die auf den Ton Cis gestimmt ist – und damit bewusst neben der berühmten Pummerin des Stephansdoms klingt.

Skulptur als Begegnung, nicht als Objekt

Christoph Meier, 1980 in Wien geboren, zählt zu den interessantesten Positionen der österreichischen Gegenwartskunst. Sein Werk umfasst Skulptur, Installation und Sound – und mündet häufig in ortsspezifischen Arbeiten, die gezielt auf ihre Umgebung reagieren. Dabei interessiert ihn weniger die Skulptur als unveränderliche, in sich geschlossene Form, sondern vielmehr die Frage, wie Objekte durch Begegnungen aktiviert werden: im Zusammenspiel mit Architektur, Akustik und der Anwesenheit von Besucherinnen und Besuchern.

Eine Glocke für den Hintereingang

Für die Gruppenausstellung „Lebt und arbeitet in Wien” in der Kunsthalle Wien im Museumsquartier entwickelte Meier die ortsspezifische Arbeit „Ohne Titel (Cis)” (2026). Auf den ersten Blick erscheint sie als traditionelle Glocke – und ist es in gewissem Sinne auch: Gefertigt wurde sie von einer traditionsreichen Glockengießerei in Innsbruck, nach dem Entwurf des Künstlers. Aufgehängt ist sie im überdachten Außenbereich am Hintereingang der Kunsthalle Wien.

Cis statt C: Die bewusste Verschiebung

Der Ton, auf den die Glocke gestimmt ist, ist kein zufälliger: Cis greift das C der legendären Pummerin im Wiener Stephansdom auf – verschiebt es jedoch um einen Halbton. Eine kleine, aber bedeutsame Geste: Die Arbeit tritt in einen akustischen Dialog mit dem bekanntesten Klang Wiens, ohne ihn zu imitieren. Sie klingt vertraut und zugleich leicht fremd – ein Prinzip, das Meiers gesamte Praxis durchzieht.

Zigaretten in Bronze: Die soziale Dimension

Besonders auffällig ist die Oberfläche der Glocke: Sie ist mit abgegossenen Zigaretten und Feuerzeugen bedeckt – Alltagsobjekten, die den informellen Charakter des Ortes aufgreifen. Der überdachte Hintereingang der Kunsthalle wird von Besucherinnen und Besuchern regelmäßig als Raucherbereich genutzt. Meier macht diese gelebte, ungeplante Nutzung zum Teil seiner Skulptur und verwandelt sie in das, was Joseph Beuys einst „Soziale Plastik” nannte: Kunst, die gesellschaftliche Realität nicht abbildet, sondern in sich aufnimmt.

Mehr unter: kunsthallewien.at

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