Der BONN SUMMIT bringt erstmals Akteurinnen und Akteure aus Kunst, Wissenschaft und Politik zusammen, um über die kulturellen Grundlagen Europas in Zeiten geopolitischer Machtverschiebungen zu diskutieren.
Vom 16. bis 18. September 2026 versammelte die Bundeskunsthalle Bonn beim ersten BONN SUMMIT – European Forum on Culture and Politics Stimmen aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die dringlicher kaum sein könnte: Wie verhält sich Kultur zu Politik in einer Zeit, in der geopolitische Gewissheiten ins Wanken geraten und demokratische Errungenschaften unter Druck stehen?
USA, Europa und die Verschiebung der Kräfte
Die erste Ausgabe des BONN SUMMIT richtete den Blick explizit auf die aktuellen Entwicklungen in den USA und fragte nach den Konsequenzen für Europa. Was bedeutet es für den alten Kontinent, wenn ein langjähriger Partner sich neu ausrichtet? Wie reagiert Europa auf den Aufstieg autokratischer und antidemokratischer Kräfte – im Westen ebenso wie im Osten? Und welche Rolle spielen dabei kulturelle Faktoren: gemeinsame Werte, kollektive Erinnerungen, moralisches Urteilsvermögen, Empathie und Gemeinsinn?
Kultur als politische Grundlage Europas
Der BONN SUMMIT geht von einer These aus, die in der politischen Debatte oft unterbelichtet bleibt: Der gemeinsame Boden, auf dem Europa steht, ist wesentlich kultureller Natur. Werte und Normen, Weltanschauungen und Menschenbilder, institutionelles Vertrauen und zivilgesellschaftliches Engagement sind keine schmückenden Beiwerke demokratischer Gesellschaften – sie sind deren Fundament. Gerät dieses Fundament unter Angriff, so die Überzeugung der Organisatorinnen und Organisatoren, ist das eine allgemeinpolitische Herausforderung, die kulturpolitischer Antworten bedarf.
Neue Allianzen, konkrete Strategien
Die Panels der Veranstaltung, deren Aufzeichnungen nun vorliegen, kreisten um konkrete Schauplätze kulturell codierter Konflikte – und um die Frage, wie neue Allianzen und wirksame Strategien aussehen können. Wie lässt sich künstlerische Produktion schützen? Wie institutionelle Unabhängigkeit verteidigen? Wie wissenschaftliche Forschung und wahrheitsorientierte Kommunikation stärken? Ziel des Forums ist es, nicht nur zu diagnostizieren, sondern Handlungsoptionen zu entwickeln und den demokratischen Kräften in einer offenen Gesellschaft neue Impulse zu geben.
Ein dauerhaftes Forum für Europa
Der BONN SUMMIT versteht sich als Auftakt – als Beginn eines dauerhaften öffentlichen Forums für den transdisziplinären Austausch über die Grundlagen und die Zukunft europäischen Zusammenlebens. Die Bundeskunsthalle positioniert sich damit als Ort nicht nur der Kunst, sondern des gesellschaftlichen Diskurses in einer Zeit, in der beides untrennbar miteinander verbunden scheint.
Die Beiträge und Diskussionen
Keynote: Oleksandra Matviichuk
Georg Häusler: Europe for Culture, Culture for Europe
Keynote: Patricia Espinosa
Jennie C. Stephens: Transformative Climate Justice: Co-creating Hopeful Futures for All
Elizabeth Larison: Protecting Artistic Freedom
Jörg Lau: Der Westen sind jetzt wir. Deutschlands Verhältnis zu den USA
Claus Leggewie: Wie man planetar denken lernt. Chancen eines planetarischen Konservatismus
Siri Hummel: Shrinking Civic Spaces
Anna-Lena von Hodenberg: Brandbeschleuniger Techplattformen
Dietmar Offenhuber: In Silico – From Synthetic Data to Synthetic Worldviews?
Christiane Lötsch & Jara Díaz Alberola: Re:Create Europe & Atlas of Artistic Freedom
Albrecht Koschorke: Europa nach dem Eurozentrismusm
Matej Drlička: European Artistic Freedom Act
Dominika Kasprowicz: Critical Infrastructure of Empathy
Omri Boehm: Peace as the Goal of Universalist Politics
Kumi Naidoo: Keynote
Panel: u. a. mit Oleksandra Matviichuk, Jörg Lau, Patricia Espinosa, Georg Häusler
Panel u. a. mit Ferenc Czinki, Marita Muukkonen, Carena Schlewitt, Jens-Christian Wagner
Panel: International Cooperation in Times of Geopolitical Tensions
Politische Stärkung kultureller Infrastrukturen. Panel mit Sven Lehmann, Markus Hilgert
Panel u. a. mit Omri Boehm, Marlen Meißner, Kumi Naidoo, Silke Weinlich
Panel u. a. mit Marion Ackermannn, Matej Drlička, Gitte Zschoch, Doris Rothauer