Was bedeutet Heimat in einer pluralen Demokratie – und wem gehört sie? In der Vortragsreihe „thinking inside out” von ZKM und HfG spricht einer der einflussreichsten Kuratoren der Gegenwart über ein vielschichtiges Projekt zur Neudeutung eines umkämpften Begriffs.
Heimat ist ein Begriff mit Geschichte – und mit Sprengstoff. Das Projekt „heimaten” greift ihn auf, verweigert aber die Vereindeutigung: Im Plural gedacht, verweist er auf die Vielfalt der deutschen Gesellschaft und auf die grundgesetzliche Idee, dass alle Staatsgewalt von einem Volk ausgeht, das durch unterschiedliche Herkunftsgeschichten, Religionen, politische Meinungen und Lebensrealitäten geprägt ist. Heimat, so das Kernargument, ist kein fester Zustand – sondern etwas, das aktiv gestaltet wird und sich fortlaufend verändert.
In der gemeinsamen Vortragsreihe „thinking inside out” von ZKM und Staatlicher Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG), moderiert von Constanze Fischbeck und Alistair Hudson, stellt Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung das Projekt vor. Mit einem auf vier Jahre angelegten Programm aus Konferenzen, Gesprächsreihen, Publikationen, Podcasts und Kulturveranstaltungen will „heimaten” plurale Demokratie sichtbar machen – getragen von zahlreichen Initiativen und Kulturinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Ein Kurator von Weltrang
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung ist Kurator, Autor und Biotechnologe – eine ungewöhnliche Kombination, die sein Denken prägt. Derzeit ist er Intendant und Chefkurator des Haus der Kulturen der Welt in Berlin sowie Chefkurator der 36. São Paulo Biennale. Er gründete SAVVY Contemporary in Berlin, leitete sonsbeek20–24 in Arnhem und war Curator-at-Large für die documenta 14 in Athen und Kassel. Weitere Stationen umfassen die Dak’Art Biennale in Dakar, die Bamako Encounters in Mali und den finnischen Pavillon auf der 58. Venedig Biennale. Als Professor leitet er den Masterstudiengang Spatial Strategies an der Weißensee Kunsthochschule Berlin.
Zu seinen Veröffentlichungen zählen „The Delusions of Care” und „Pidginization as Curatorial Method” – Texte, die sein kuratorisches Denken ebenso scharf umreißen wie seinen Blick auf Kunst, Politik und Gemeinschaft.
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