23 Tage, 23 Fotografien, ein Hund namens Enzo: Hans Schabus hat Wien zu Fuß verlassen und ist bis nach Triest gelaufen – entlang der Nullpunkte des österreichischen Vermessungssystems. Seine Dokumentation dieser Reise ist in der Kunsthalle Wien zu sehen.
Vom Wiener Null zum Adria Null
Was verbindet Wien mit der Adria? Im österreichischen Vermessungssystem: zwei Bezugspunkte. Der „Wiener Null” und der „Adria Null” sind die geodätischen Referenzpunkte, von denen aus Höhen im Land gemessen werden. Für Hans Schabus (geb. 1970, Watschig, Österreich) wurden sie zum Ausgangspunkt einer außergewöhnlichen künstlerischen Reise: Im vergangenen Jahr wanderte er gemeinsam mit seinem Hund Enzo in 23 Tagen von Wien nach Triest – 576,8 Kilometer zu Fuß, Schritt für Schritt, Tag für Tag.
23 Fotografien, eine Perspektive
Das Ergebnis dieser Wanderung ist die Werkserie „Walking to the Sea (In Search of the Endless Column – Vom Wiener Null zum Adria Null)” (2025/2026): 23 Fotografien, eine pro Tag, auf Klemmbrettern befestigt und innerhalb einer temporären Wand der Ausstellung „Lebt und arbeitet in Wien” in der Kunsthalle Wien auf Augenhöhe installiert. Jedes Bild hält Wege, Straßen und Pfade aus einer einzigen, konsequent nach vorne gerichteten Perspektive fest – der Blick des Gehenden, der immer weiter geht. Die Bilder sind dabei bewusst unzugänglich installiert: man sieht sie, kann sie aber nicht greifen. Eine Distanz, die das Dokumentarische ins Skulpturale kippt.
Was konstituiert einen Ort?
Schabus, dessen Werk in der Architektur und Bildhauerei verwurzelt ist, kreist seit Jahren um Fragen der Verortung und Bewegung. Was macht einen Ort zu einem Ort? Und was passiert in dem weiten Dazwischen, das keine Karte wirklich erfassen kann? Seine Wanderung ist keine romantische Naturerfahrung, sondern eine konzeptuelle Handlung: Er verbindet zwei abstrakte geodätische Punkte durch seinen eigenen Körper, durch Zeit, durch Schritte – und macht das Unsichtbare des Weges sichtbar.
Kunst als körperliche Praxis
„Walking to the Sea” steht in der Tradition einer Kunst, die den Körper als Instrument begreift und den Weg selbst als Medium. Doch Schabus fügt dieser Tradition etwas Eigenes hinzu: die Präzision des Vermessers, die Nüchternheit des Dokumentaristen – und die stille Gesellschaft eines Hundes namens Enzo.
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