Das Museum Marta Herford präsentiert die Werke der diesjährigen „ars viva“-Preisträger. Ryan Cullen, Nazanin Noori und Prateek Vijan zeigen in einer eindrucksvollen Schau, wie junge Kunst gesellschaftliche Bruchstellen thematisiert – von religiösen Gottesbegriffen bis hin zu den Sicherheitsprotokollen geraubter Kulturgüter.
Der „ars viva“-Preis blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit 1953 vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft vergeben, wurde er einst als Gegenentwurf zur NS-Zeit ins Leben gerufen, um freie Kunst und junge Talente zu fördern. Namen wie Georg Baselitz oder Marina Abramović begannen hier ihre Weltkarrieren.
Die drei Preisträger im Fokus
1. Nazanin Noori: Klang und Glaube
Nazanin Nooris Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Theater und Installation. In ihrer Arbeit „All at the same time all“ verbindet sie Raum, Farbe und Licht mit einer eindringlichen Klangkomposition. Sie untersucht dabei unterschiedliche Gottesbegriffe und deren Einfluss auf das Weltgeschehen. Zudem verarbeitet sie in der Ausstellung Protestkulturen, inspiriert von früheren Bewegungen im Iran.
2. Ryan Cullen: Fetisch und Konsum
Ryan Cullen macht die kapitalistischen Tendenzen unserer Gesellschaft greifbar. Seine Kunst thematisiert Konsum, Exzess und Fetischisierung. Als Symbole nutzt er Alltagsgegenstände in neuen Kontexten, wie etwa eine Skulptur aus einer Anhäufung von Xbox-Konsolen oder großformatige Malereien von Megajets. Seine Bilder bleiben dabei stets offen für individuelle Interpretationen der Betrachter.
3. Prateek Vijan: Systematische Barrieren
Prateek Vijan setzt sich mit den Zugängen in einer postkolonialen Gesellschaft auseinander. Für sein Projekt schleuste er sich unter falscher Identität in ein Museum ein, um dessen Sicherheitssysteme zu studieren. Sein Ziel: Den Weg eines Objekts nachzuvollziehen, das zur Kolonialzeit vom britischen Empire aus Indien geraubt wurde. Diese Erfahrungen hat er in architektonische Modelle und Skulpturen übersetzt, die den Besucher physisch spüren lassen, wie es ist, sich alternative Zugangswege erarbeiten zu müssen.
Die Ausstellung im Marta Herford lädt dazu ein, diese drei völlig unterschiedlichen künstlerischen Ansätze selbst zu erleben und über die aktuellen Fragen unserer Zeit nachzudenken.
Mehr unter: marta-herford.de





