Farben begleiten uns überall im Alltag. Doch in der Kunst und Dokumentarfotografie entscheiden sich viele Profis bewusst für Schwarz-Weiß. Warum wirken diese Bilder oft intensiver? Richie von den Deichtorhallen Hamburg begibt sich auf Spurensuche und trifft Experten, um das Geheimnis hinter den grauen Nuancen zu lüften.
In der aktuellen Ausstellung im Phoxxi der Deichtorhallen zeigt der US-Dokumentarfotograf Philip Montgomery eindringliche Bilder aus dem heutigen Amerika. Er thematisiert die Corona-Pandemie, den Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit – und das fast ausschließlich in Schwarz-Weiß.
Konzentration auf das Wesentliche
Warum verzichtet ein Fotograf im Zeitalter digitaler Farbenpracht auf bunte Bilder? Der Fotograf und Künstler Mike erklärt, dass Schwarz-Weiß dabei hilft, sich auf die wichtigen Dinge im Foto zu konzentrieren. Farben können manchmal ablenken. Ohne sie treten Formen, Kontraste und der Kern einer Geschichte deutlicher hervor.
Emotionen und Charakter
Schwarz-Weiß-Fotografie hat eine ganz eigene emotionale Wirkung:
- Power und Poesie: Für viele wirkt ein Schwarz-Weiß-Foto kraftvoller und trifft den Betrachter an einem anderen Punkt als ein Farbbild. Es hat oft eine poetische, fast träumerische Qualität.
- Charakterstudie: In Porträts lässt sich der Charakter einer Person in Schwarz-Weiß oft viel stärker hervorheben.
Das Spiel mit Licht und Schatten
Ein entscheidender Faktor für ein gelungenes Schwarz-Weiß-Bild ist das Licht. Mike demonstriert den Unterschied zwischen frontalem und seitlichem Licht:
- Frontales Licht: Wirkt oft flach und bietet wenig Kontraste.
- Seitliches Licht: Erzeugt dramatische Schatten und lässt Gesichter fast wie Skulpturen wirken – ein Effekt, den auch Philip Montgomery häufig einsetzt.
Experimentieren erwünscht
In der modernen Fotografie muss man sich nicht sofort entscheiden. Dank digitaler Bearbeitung kann man später am Computer oder Handy testen, ob ein Motiv in Farbe oder Schwarz-Weiß besser wirkt. Mike rät zudem dazu, auch einmal bewusst „Dinge falsch zu machen“, um neue, interessante Effekte zu entdecken, die in keinem Lehrbuch stehen.
Schwarz-Weiß-Fotografie ist also weit mehr als nur ein Relikt aus alten Zeiten – sie ist ein bewusstes Werkzeug, um Geschichten mit besonderer Tiefe und Ernsthaftigkeit zu erzählen.
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