Die Mahlsteine vom Bornhöck: Landesmuseum für Vorgeschichte Halle zeigt neue Erkenntnisse zur Bronzezeit

Was verraten monumentale Mahlsteine über die Machtverhältnisse und den Reichtum einer Gesellschaft vor rund 4.000 Jahren? Dieser Frage widmet sich das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle in einer Folge seiner Videoreihe „Museum exklusiv“. Museumsdirektor Prof. Dr. Harald Meller stellt bedeutende Funde aus dem Bornhöck vor, dem größten bekannten frühbronzezeitlichen Grabhügel Mitteleuropas. Die im neu gestalteten Ausstellungsbereich „Bronzerausch“ präsentierten Mahlsteine geben Einblicke in die wirtschaftlichen Grundlagen und die gesellschaftliche Organisation der Aunjetitzer Kultur.

Bornhöck: Der größte frühbronzezeitliche Grabhügel Mitteleuropas

Der Bornhöck bei Raßnitz in Sachsen-Anhalt gehört zu den bedeutendsten archäologischen Fundstätten der europäischen Frühbronzezeit. Der monumentale Grabhügel entstand im Umfeld der Aunjetitzer Kultur, die etwa zwischen 2300 und 1600 v. Chr. in Teilen Mitteleuropas verbreitet war. Mit seinen außergewöhnlichen Dimensionen übertraf der Bornhöck viele andere bekannte Grabanlagen dieser Epoche. Seine Größe deutet darauf hin, dass für die Errichtung erhebliche Arbeitskräfte und Ressourcen mobilisiert werden mussten. Der Hügel gilt deshalb als wichtiges Zeugnis für die gesellschaftliche Entwicklung der frühen Bronzezeit. Die Funde ermöglichen Rückschlüsse auf eine Zeit, in der sich wirtschaftliche Netzwerke, soziale Unterschiede und politische Machtstrukturen zunehmend ausprägten.

Archäologische Untersuchungen trotz jahrhundertelanger Zerstörung

Die Erforschung des Bornhöcks stellte Archäologinnen und Archäologen vor besondere Herausforderungen. Bereits im 13. Jahrhundert wurde die Grabanlage geplündert. Im 19. Jahrhundert trug man den monumentalen Hügel nahezu vollständig ab. Lange Zeit waren deshalb nur noch wenige Spuren des ursprünglichen Bauwerks erkennbar. Moderne archäologische Untersuchungsmethoden ermöglichten es jedoch, die verbliebenen Befunde systematisch auszuwerten. Dabei konnten wichtige Informationen zur ursprünglichen Gestalt und Größe des Grabhügels gewonnen werden. Auch die verwendeten Baumaterialien und die Organisation seiner Errichtung ließen sich näher untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst stark zerstörte Fundstätten noch wertvolle Erkenntnisse über vergangene Gesellschaften liefern können.

Monumentale Mahlsteine als Zeugnisse bronzezeitlicher Wirtschaft

Zu den bemerkenswerten Funden vom Bornhöck gehören große Mahlsteine. Solche Steingeräte dienten in der Bronzezeit vor allem dazu, Getreide und andere pflanzliche Nahrungsmittel zu zerkleinern. Die Verarbeitung von Getreide war eine grundlegende Voraussetzung für die Versorgung der Bevölkerung. Mahlsteine waren deshalb wichtige Bestandteile der damaligen Wirtschafts- und Alltagswelt. Die außergewöhnlichen Exemplare vom Bornhöck werfen jedoch weitergehende Fragen auf. Ihre Größe und ihr Fundzusammenhang können Hinweise darauf liefern, welche Rolle landwirtschaftliche Produktion und die Organisation von Nahrungsressourcen innerhalb der Aunjetitzer Gesellschaft spielten. Die archäologische Untersuchung der Mahlsteine eröffnet damit einen Zugang zu wirtschaftlichen Strukturen, die sich aus schriftlichen Quellen nicht erschließen lassen.

Was verraten die Mahlsteine über Macht und Gesellschaft der Aunjetitzer Kultur?

Die Aunjetitzer Kultur ist insbesondere durch ihre reich ausgestatteten Gräber, bedeutende Metallfunde und weitreichenden Austauschbeziehungen bekannt. Ein berühmtes Zeugnis dieser Epoche ist die Himmelsscheibe von Nebra, die ebenfalls im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle aufbewahrt wird. Die monumentalen Grabhügel der Frühbronzezeit deuten auf ausgeprägte gesellschaftliche Unterschiede hin. Für die Errichtung großer Anlagen mussten Menschen, Materialien und Arbeitsleistungen koordiniert werden. Die Mahlsteine vom Bornhöck ergänzen dieses Bild um die wirtschaftliche Dimension. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf die Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmitteln sowie auf die Frage, wie größere Gemeinschaften versorgt wurden.

Ob und in welchem Umfang solche Tätigkeiten zentral organisiert waren, gehört zu den Fragen, die sich anhand archäologischer Befunde untersuchen lassen. Die Funde sind damit wichtige Hinweise für die Erforschung sozialer Hierarchien und wirtschaftlicher Abhängigkeiten in der frühen Bronzezeit.

„Bronzerausch“: Neuer Ausstellungsbereich im Landesmuseum Halle

Einige der monumentalen Mahlsteine werden im neu gestalteten Abschnitt „Bronzerausch“ der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle präsentiert. Der Ausstellungsbereich widmet sich der Bronzezeit und ihren gesellschaftlichen, technischen und kulturellen Entwicklungen. Die Mahlsteine machen einen Aspekt dieser Epoche sichtbar, der neben kostbaren Metallobjekten und außergewöhnlichen Grabfunden leicht in den Hintergrund gerät: die wirtschaftlichen Grundlagen des täglichen Lebens. Gerade die Verbindung von monumentalen Grabanlagen und alltäglichen Arbeitsgeräten ermöglicht neue Perspektiven auf die damalige Gesellschaft. Die Präsentation verdeutlicht, wie eng Landwirtschaft, Ressourcenverteilung und gesellschaftliche Macht miteinander verbunden gewesen sein könnten.

Museumsdirektor Harald Meller erklärt die Funde vom Bornhöck

In der Folge „Stein-Reich | Die Mahlsteine vom Bornhöck“ führt Museumsdirektor Harald Meller durch den entsprechenden Bereich der Dauerausstellung. Anhand der ausgestellten Objekte erläutert er die archäologische Bedeutung des Fundortes und die Erkenntnisse, die aus den Mahlsteinen gewonnen werden können. Dabei stehen insbesondere die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Aunjetitzer Kultur im Mittelpunkt. Die Kurzführung vermittelt, wie Archäologinnen und Archäologen aus materiellen Hinterlassenschaften Rückschlüsse auf längst vergangene Lebenswelten ziehen. Zugleich zeigt sie, weshalb der Bornhöck trotz seiner weitgehenden Zerstörung zu den bedeutenden Fundstätten der mitteleuropäischen Bronzezeit zählt.

„Museum exklusiv“: Archäologische Entdeckungen im Video

Mit der Reihe „Museum exklusiv“ bietet das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle digitale Einblicke in seine Sammlungen und Ausstellungen. Die Videobeiträge stellen besondere archäologische Funde vor, erklären ihre wissenschaftliche Bedeutung und beleuchten die Geschichten hinter den Exponaten. Dabei werden sowohl bekannte Objekte von internationaler Bedeutung als auch weniger vertraute Zeugnisse des Alltags früherer Gesellschaften vorgestellt. Die Folge über die Mahlsteine vom Bornhöck zeigt, wie archäologische Forschung wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen der Bronzezeit sichtbar machen kann. Sie verdeutlicht zugleich, dass nicht nur kostbare Schmuckstücke und Waffen, sondern auch scheinbar einfache Arbeitsgeräte wichtige Quellen für das Verständnis der Vergangenheit sind.

Eine Thomas Claus Medienproduktion im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 2026. “Archaeofilm” ist eine geschützte Wort-Bild-Marke des Landes Sachsen-Anhalt (LDA).

Regie: Thomas Claus
Bildgestaltung: Felix Greif
Filmeditor: Alexander Woltexinger
Titelgrafik: Oliver Thomas
Ton: Tobias Engelhard
Bildrecherche: Dr. Anja Lochner-Rechta
Projektkoordination: Dr. Tomoko Emmerling

Mehr unter: landesmuseum-vorgeschichte.de

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