Der deutsche Fotograf und Künstler Wolfgang Tillmans wird mit dem Roswitha Haftmann-Preis 2026 ausgezeichnet. Der mit 150.000 Schweizer Franken dotierte Kunstpreis würdigt sein international bedeutendes Gesamtwerk sowie sein gesellschaftliches Engagement für Demokratie, Offenheit und Solidarität. Die Preisverleihung fand am 17. September 2026 im Kunsthaus Zürich statt.
Roswitha Haftmann-Preis 2026 würdigt Wolfgang Tillmans
Der 1968 geborene Künstler Wolfgang Tillmans ist der 28. Preisträger des Roswitha Haftmann-Preises. Die Auszeichnung zählt zu den höchstdotierten Kunstpreisen Europas und wird von der Zürcher Roswitha Haftmann-Stiftung vergeben. Mit der Entscheidung würdigt der Stiftungsrat ein künstlerisches Schaffen, das seit rund vier Jahrzehnten die Grenzen der Fotografie erweitert und zugleich gesellschaftliche und politische Fragen aufgreift.
Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören international bekannte Kunstschaffende wie Cindy Sherman, Sigmar Polke, Maria Lassnig, VALIE EXPORT, Rosemarie Trockel, Jeff Wall und Cecilia Vicuña. Die Laudatio bei der Preisverleihung im Kunsthaus Zürich übernahm laut Ankündigung Prof. Dr. Bernhart Schwenk, Chefkurator und Sammlungsleiter Gegenwartskunst an der Pinakothek der Moderne in München. Er würdigte insbesondere Tillmans’ Einfluss auf die internationale Fotografie und dessen Verbindung von künstlerischer Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung.
Wolfgang Tillmans: Von der Clubkultur zur internationalen Fotokunst
Wolfgang Tillmans wurde in den 1990er-Jahren durch Fotografien aus seinem persönlichen Umfeld sowie aus der europäischen Clubszene und der LGBTQ+-Community bekannt. Seine Porträts und Momentaufnahmen erschienen zunächst in Musik- und Lifestyle-Magazinen und dokumentierten gesellschaftliche Veränderungen und neue kulturelle Ausdrucksformen.
Im Laufe seiner Karriere entwickelte Tillmans seine fotografische Praxis kontinuierlich weiter. Neben Porträts entstanden Stillleben, Landschaftsaufnahmen, Himmelsbilder und astronomische Fotografien. Zunehmend beschäftigte er sich auch mit abstrakten Bildern, die ohne den klassischen Einsatz einer Kamera entstehen. Mechanische Prozesse und chemische Reaktionen wurden zu eigenständigen Mitteln seiner künstlerischen Arbeit. Ein wesentliches Merkmal seines Werks ist die Auseinandersetzung mit der Materialität fotografischer Bilder. Papier, Drucktechnik, Oberfläche und Präsentationsform sind für Tillmans nicht nur technische Voraussetzungen, sondern eigenständige Bestandteile der Kunst.
Neue Wege der Fotografie: Installationen und experimentelle Bildwelten
Wolfgang Tillmans gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter einer installativen Fotokunst. Seine Werke werden häufig in ungewöhnlichen Zusammenstellungen präsentiert, die sich von traditionellen fotografischen Ausstellungen unterscheiden. An Museumswänden kombiniert er großformatige Fotografien mit kleineren Bildern, während er auf Tischen unter Glasplatten Fotografien, Fotokopien, Zeitschriftenartikel, Postkarten und andere Materialien arrangiert.
Durch diese variable Präsentationsweise entstehen neue Beziehungen zwischen einzelnen Bildern und ihrem räumlichen Umfeld. Tillmans untersucht damit nicht nur die Wirkung fotografischer Motive, sondern auch die Art und Weise, wie Bilder wahrgenommen, interpretiert und in gesellschaftliche Zusammenhänge eingeordnet werden. Sein experimenteller Umgang mit Fotografie hat zahlreiche nachfolgende Künstlergenerationen beeinflusst. In den vergangenen Jahren erweiterte er sein Schaffen zudem um Videoarbeiten, Soundinstallationen, Musikproduktionen und Texte.
Kunst und Demokratie: Wolfgang Tillmans als gesellschaftlich engagierter Künstler
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagiert sich Wolfgang Tillmans seit vielen Jahren für gesellschaftliche und demokratische Anliegen. International bekannt wurde unter anderem seine 2016 initiierte Kampagne gegen den Brexit. Darüber hinaus entwickelte er Kampagnen zur politischen Beteiligung im Umfeld der Bundestagswahl 2017 sowie der Europawahlen 2019 und 2024.
Sein Engagement beruht auf der Überzeugung, dass Kunst und Kultur wichtige Räume für gesellschaftlichen Dialog und gegenseitiges Verständnis schaffen können. Mit der 2017 gegründeten Stiftung Between Bridges unterstützt er darüber hinaus kulturelle, künstlerische und zivilgesellschaftliche Projekte.
Der Roswitha Haftmann-Preis würdigt damit nicht nur seine künstlerische Entwicklung, sondern auch die Verbindung zwischen seiner Arbeit und seinem öffentlichen Engagement.
Internationale Ausstellungen: Von New York über Paris bis Dresden
Das Werk von Wolfgang Tillmans wurde in zahlreichen international bedeutenden Museen präsentiert.
2022 zeigte das Museum of Modern Art (MoMA) die umfangreiche Ausstellung „To Look Without Fear“. Die Retrospektive war 2023 auch in der Art Gallery of Ontario in Toronto und im San Francisco Museum of Modern Art zu sehen.
2025 präsentierte Tillmans die Ausstellung „Weltraum“ im Albertinum in Dresden. Im selben Jahr war seine Ausstellung „Rien ne nous y préparait – Tout nous y préparait“ im Centre Pompidou zu sehen.
Bereits im Jahr 2000 erhielt Tillmans als erster überwiegend fotografisch arbeitender Künstler und erster Nicht-Brite den renommierten Turner Prize. 2018 wurde er mit dem Goslarer Kaiserring ausgezeichnet.
Mit dem Roswitha Haftmann-Preis 2026 kommt eine weitere bedeutende internationale Ehrung hinzu.
Roswitha Haftmann-Stiftung: Förderung internationaler Gegenwartskunst
Der Roswitha Haftmann-Preis wurde im Jahr 2000 von der Roswitha Haftmann-Stiftung ins Leben gerufen. Er geht auf die Schweizer Galeristin und Kunstmäzenin Roswitha Haftmann (1924–1998) zurück. Sie verfügte testamentarisch, dass ihr Vermögen zur Förderung herausragender lebender Künstlerinnen und Künstler eingesetzt werden soll.
Über die Vergabe entscheidet ein international besetzter Stiftungsrat mit Vertreterinnen und Vertretern bedeutender europäischer Kunstinstitutionen. Dazu zählen das Kunsthaus Zürich, das Kunstmuseum Basel, das Kunstmuseum Bern und das Museum Ludwig in Köln. Das Preisgeld von 150.000 Schweizer Franken steht den Ausgezeichneten zur freien Verfügung. Es kann beispielsweise für neue künstlerische Projekte, die Dokumentation des eigenen Werks oder andere Vorhaben eingesetzt werden.
Mit der Auszeichnung von Wolfgang Tillmans setzt die Stiftung ihre Förderung international einflussreicher Positionen der Gegenwartskunst fort. Die Preisverleihung am 17. September 2026 wird inzwischen auch durch die veröffentlichte Laudatio der Roswitha Haftmann-Stiftung sowie die Dankesrede von Wolfgang Tillmans bestätigt
Mehr unter: www.kunsthaus.ch






