Was bedeutet Kreativität, wenn Maschinen an künstlerischen Prozessen beteiligt sind? Und wem gehört ein Werk, wenn künstliche Intelligenz Bilder, Texte oder Stimmen mitgestaltet? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Künstliche Kreativität“, die am 26. September 2026 im Aargauer Kunsthaus eröffnet wird. Vierzehn Kunstschaffende untersuchen darin, wie KI die Entstehung, Wahrnehmung und Bewertung von Kunst verändert.
Die Ausstellung widmet sich einem der drängendsten Themen unserer Zeit: dem Verhältnis zwischen menschlicher Kreativität und maschineller Generierung. In Installationen und interaktiven Arbeiten wird erfahrbar, wie sich die Grenzen zwischen Werkzeug, Mitwirkung und vermeintlich eigenständiger Kreativität verschieben.
Künstliche Intelligenz verändert die künstlerische Praxis
Seit ChatGPT Ende 2022 öffentlich zugänglich wurde, ist künstliche Intelligenz fest im Alltag angekommen. Sie beeinflusst Arbeitswelt, Bildung, Wirtschaft, Gesundheit und Kultur. Auch die Kunst setzt sich unmittelbar mit den Möglichkeiten und Folgen dieser Technologie auseinander. Dabei steht sie in einer Tradition früherer Medienumbrüche. Fotografie und Digitalisierung lösten zunächst ebenfalls Diskussionen über Originalität, Authentizität und die Rolle des Menschen aus. Zugleich eröffneten sie neue künstlerische Ausdrucksformen.
Mit generativer KI stellen sich diese Fragen erneut – und mit zusätzlicher Dringlichkeit. Wie verändert sich der kreative Prozess, wenn Maschinen an der Produktion von Kunstwerken beteiligt sind? Was bedeutet Autorschaft, wenn Menschen und technische Systeme gemeinsam Ergebnisse hervorbringen? Und wer trägt die Verantwortung für Inhalte, die mithilfe von KI entstehen?
Vierzehn Kunstpositionen zwischen Kontrolle und Kontrollverlust
Die Ausstellung „Künstliche Kreativität“ versammelt vierzehn künstlerische Positionen, die mit generativen Bild- und Sprachmodellen arbeiten. Ihre Werke zeigen KI nicht einfach als technisches Hilfsmittel, sondern als Teil eines komplexen kreativen Zusammenspiels. Der Rundgang wird von drei zentralen Fragen geleitet: Wie wird künstliche Intelligenz Teil künstlerischer Prozesse? Wie beeinflussen KI-generierte Inhalte unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit? Und was verändert sich, wenn KI in räumlichen, körperlichen und sozialen Situationen erfahrbar wird?
Teilweise interaktive Installationen eröffnen neue Begegnungen mit Bildern, Stimmen und Räumen. Dabei wird deutlich, dass Kreativität nicht einfach vom Menschen auf die Maschine übergeht. Sie entsteht vielmehr im Zusammenspiel von Menschen, Daten, technischen Systemen und kulturellen Vorstellungen.
Wer ist der Urheber eines KI-generierten Kunstwerks?
Die beteiligten Kunstschaffenden setzen künstliche Intelligenz auf unterschiedliche Weise ein: als Werkzeug, als Bestandteil des kreativen Prozesses oder als System, dessen Möglichkeiten bereits durch Daten, Regeln und Benutzeroberflächen begrenzt sind. Dadurch rückt die Frage nach Autorschaft und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Auch die technischen Voraussetzungen der Kunstproduktion werden sichtbar. Datensätze, Trainingsumgebungen und sogenannte Prompts – also Eingaben und Anweisungen an KI-Systeme – sind nicht nur Werkzeuge, sondern können selbst zum künstlerischen Material und Gegenstand kritischer Reflexion werden.
Die Ausstellung zeigt damit, dass KI-generierte Kunst nicht unabhängig von menschlichen Entscheidungen entsteht. Welche Daten verwendet werden, welche Anweisungen ein System erhält und welche Ergebnisse ausgewählt oder verworfen werden, prägt den kreativen Prozess entscheidend.
Wenn künstliche Intelligenz überzeugende Wirklichkeiten erzeugt
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Wirkung KI-generierter Bilder, Texte und Stimmen. Sie können täuschend echt erscheinen, selbst wenn ihre Herkunft unklar ist oder sich ihr Wahrheitsgehalt kaum überprüfen lässt. Besonders deutlich wird dies bei sogenannten Halluzinationen: KI-Systeme erzeugen dabei plausible Aussagen oder Bildinhalte, obwohl ihnen dafür eine verlässliche Grundlage fehlt. Was technisch als Fehler gilt, kann in der Kunst zugleich neue Möglichkeiten eröffnen.
Die Ausstellung betrachtet solche Störungen nicht ausschließlich als Schwächen der Technologie. Sie untersucht auch, wie Unsicherheit, Mehrdeutigkeit und erfundene Wirklichkeiten zum künstlerischen Ausdruck werden können. Damit stellt sich die Frage, woran wir Glaubwürdigkeit erkennen – und wie sehr unsere Wahrnehmung von Bildern und Informationen durch technische Systeme geprägt wird.
Verantwortung bleibt beim Menschen
Gerade bei interaktiven Arbeiten wird spürbar, wie sich Handlungsmöglichkeiten zwischen Menschen und technischen Systemen verteilen. Die Technologie kann auf Eingaben reagieren, Inhalte generieren und Entscheidungen innerhalb vorgegebener Regeln treffen. Daraus folgt jedoch nicht, dass sie menschliche Absichten, Verständnis oder Verantwortungsbewusstsein besitzt.
Die Verantwortung bleibt bei den Menschen und Institutionen, die KI-Systeme entwickeln, einsetzen, ihre Ergebnisse auswählen und öffentlich präsentieren. Diese Unterscheidung ist für den Umgang mit künstlicher Intelligenz in der Kunst ebenso wichtig wie für ihre Nutzung in anderen gesellschaftlichen Bereichen.
„Künstliche Kreativität“: Eine Ausstellung über die Zukunft der Kunst
Mit „Künstliche Kreativität“ untersucht das Aargauer Kunsthaus, wie generative KI die Bedingungen künstlerischer Produktion verändert. Die vierzehn Positionen eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Autorschaft, Zusammenarbeit, Wahrnehmung und Verantwortung.
Die Ausstellung liefert dabei keine einfache Antwort auf die Frage, ob Maschinen kreativ sein können. Stattdessen macht sie sichtbar, wie Kreativität im Zeitalter künstlicher Intelligenz neu verhandelt wird – zwischen menschlichen Entscheidungen, technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Erwartungen.
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