Ferienlager, Pionierrepubliken, Lost Places – eine neue Folge der Videoreihe „Orte Ost” des DDR Museum Berlin geht auf Spurensuche und fragt, was von der Sommerwelt der DDR-Kindheit übrig geblieben ist.
Ein Sommer, den Millionen kennen – und unterschiedlich erinnern
Für viele Kinder und Jugendliche in der DDR gehörte das Ferienlager so selbstverständlich zum Sommer wie Schwimmen und Sonnenbrand. Doch hinter diesem kollektiven Erinnerungsbild verbirgt sich eine weit differenziertere Realität. Die neue Folge der Videoreihe „Orte Ost” des DDR Museum Berlin begibt sich an mehrere Schauplätze, an denen die Geschichte der DDR-Ferienlager bis heute sichtbar ist – und zeigt: Ferienlager war nicht gleich Ferienlager.
Betriebslager und Pionierrepubliken: Ein System mit Abstufungen
Historiker Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt, wie sich das Ferienlagerwesen nach 1945 entwickelte und warum es in den 1960er bis 1980er Jahren zur Massenerscheinung wurde. Während die weit verbreiteten Betriebsferienlager vergleichsweise schlicht organisiert waren, bildeten die zentralen Pionierlager eine eigene Kategorie – ideologisch aufgeladen, staatlich inszeniert und gezielt als Instrument politischer Erziehung eingesetzt.
Pionierrepublik Wilhelm Pieck am Werbellinsee
Besonders eindrücklich zeigt dies das Beispiel der Pionierrepublik Wilhelm Pieck am Werbellinsee. Seit den 1950er Jahren versuchte die SED-Führung dort, junge Menschen für den sozialistischen Staat zu gewinnen – in einem Lager, das zugleich internationale Dimensionen hatte: Kinder und Jugendliche aus zahlreichen Ländern begegneten sich hier, und es entstand eine Gemeinschaft, die weit über den DDR-Alltag hinausreichte.
Was bleibt: Lost Places und lebendige Erinnerungsorte
Nach 1990 verschwanden viele Kinderferienlager oder verfielen zu Lost Places. Andere werden bis heute für Kinder und Jugendliche genutzt. Die Folge fragt daher auch, was diese Orte zu Erinnerungsorten macht – und wie die persönlichen Erfahrungen dort das Bild von der DDR bis heute prägen. Die Antworten fallen, wie Kowalczuk zeigt, höchst unterschiedlich aus: Nostalgie und kritische Distanz liegen oft dicht beieinander.
Die Reihe „Orte Ost”
„Orte Ost” ist die neue Filmreihe des DDR Museum Berlin, in der Historiker Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk ostdeutsche Schauplätze, Themen und Ereignisse aufsucht, deren Geschichte bis in die Gegenwart nachwirkt. Die Reihe erscheint regelmäßig auf dem YouTube-Kanal des Museums und verbindet historische Einordnung mit persönlichen Erinnerungen und aktuellen Entwicklungen.
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