Along the Color Line: Das Museum Ludwig stellt Fragen an die europäische Moderne

Eine Schwarz-weiss Aufnahme des US-Amerikanischen Soziologen William Edward Burghardt Du Bois auf grauem Karton. Das Bild zeigt DuBois im Profil mit Blick nach rechts. Auf dem Karton befinden sich archivarische Hinweise.
William Edward Burghardt Du Bois
. Photograph. Retrieved from the Library of Congress, <www.loc.gov/item/2004670383/>.

Zum 50-jährigen Jubiläum zeigt das Museum Ludwig Köln eine Ausstellung, die Schwarze Diaspora-Kunst und europäische Moderne in einen überfälligen Dialog bringt – und dabei koloniale Leerstellen in der eigenen Sammlung offenlegt.

Ein Jubiläum mit kritischem Blick auf die eigene Geschichte

Zum 50-jährigen Bestehen richtet das Museum Ludwig den Blick nach innen – und findet dabei eine Leerstelle. Ein Forschungsprojekt zur eigenen Sammlung machte deutlich, dass Werke Schwarzer Künstlerinnen und Künstler darin kaum vertreten sind, besonders im Bereich der Moderne. Diese Unterrepräsentation ist kein Zufall, sondern Ausdruck tief verwurzelter kolonialer Machtverhältnisse. Die Sonderausstellung „Along the Color Line. Spuren einer transatlantischen Moderne” (3. Oktober 2026 bis 7. März 2027) stellt sich genau dieser Erkenntnis.

W. E. B. Du Bois und die Kunst der Zwischenräume

Der Titel der Ausstellung geht auf Schriften des afroamerikanischen Soziologen W. E. B. Du Bois zurück, der zwischen 1892 und 1894 in Berlin studierte und 1936 als Journalist Deutschland erneut bereiste – und dabei Köln, Hamburg, die Wagner-Festspiele in Bayreuth und die Olympischen Spiele in Berlin besuchte. Seine Berichte liefern ein einzigartiges Zeugnis dieser historischen Periode und schärfen den Blick für die globalen Verflechtungen von Rassismus und Ausgrenzung. Ergänzt werden sie durch Schriften weiterer Vertreterinnen und Vertreter der Schwarzen Diaspora, die sich zeitweilig in Europa aufhielten – darunter der Philosoph Alain Locke, der 1910–1911 ebenfalls in Berlin studierte.

Harlem Renaissance, Négritude und transatlantische Verbindungen

Die Ausstellung versammelt eine Vielzahl internationaler Leihgaben: moderne und zeitgenössische Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen sowie Literatur und Musik der Schwarzen Diaspora treten in Dialog mit Werken aus der Sammlung des Museum Ludwig. Anhand von Bewegungen wie der Harlem Renaissance in den USA und der Négritude-Bewegung in Europa werden transatlantische Verbindungslinien nachgezeichnet und gefragt, wie Schwarze Künstlerinnen und Künstler durch ihre Werke neue Narrative schufen, die eurozentrische Sehgewohnheiten herausforderten.

Lokale Verankerung: Die Rheinregion als Diaspora-Ort

Die Ausstellung macht deutlich, dass Migration, Identität und kulturelle Zugehörigkeit nicht nur globale Phänomene sind, sondern auch lokal greifbar. So lebte die Künstlerin Mildred Thompson, die an der Howard University studierte, in den 1960er Jahren in Düren. Im Vorfeld der Ausstellung hat das Museum Ludwig gezielt Werke erworben – darunter Arbeiten von Thompson, Herbert Gentry (1919–2003) und Iba Ndiaye (1928–2008) – um diese Lücken in der Sammlung zu schließen.

James Gregory Atkinson: Ein Archiv gegen das Vergessen

Eine zentrale zeitgenössische Position nimmt der deutsch-amerikanische Künstler James Gregory Atkinson (*1981) ein. Er hat ein nichtlineares Archiv aus Bildern, Objekten, Texten und Oral History erarbeitet, das sich mit der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland befasst und eine Linie von den Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts bis zur diasporischen Realität der Gegenwart zieht.

Eine Einladung zur Reflexion – damals wie heute

Über 100 Jahre nach den Aufenthalten von Du Bois und Locke im modernen Europa lädt die Ausstellung dazu ein, den gesellschaftlichen Stellenwert von kultureller Identität, Gemeinschaft und Zugehörigkeit neu zu befragen. Die Förderung erfolgt durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, die Kulturstiftung des Bundes, die Kunststiftung NRW und die Terra Foundation for American Art, unter anderem.

Mehr unter: www.museum-ludwig.de

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