KI erschließt Erinnerungsberichte von KZ-Häftlingen in der Gedenkstätte Neuengamme

Über 2200 unpublizierte Erinnerungsberichte ehemaliger KZ-Häftlinge – bislang schwer zugänglich, nun per KI durchsuchbar. Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zeigt, wie digitale Technologie verantwortungsvoll in den Dienst der Erinnerungsarbeit gestellt werden kann.

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bewahrt eine der bedeutendsten Quellensammlungen zur Geschichte des Konzentrationslagers: über 2200 unpublizierte Erinnerungsberichte ehemaliger Häftlinge, handgeschrieben oder getippt, jahrzehntelang nur mit großem Aufwand nutzbar. Das ändert sich nun grundlegend. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Unternehmen hauptsache.net hat das Archiv der Gedenkstätte ein KI-Portal entwickelt, das die Forschungsarbeit mit diesem einzigartigen Bestand erheblich erleichtert.

Die Berichte wurden digitalisiert, Handschriften automatisch transkribiert. Neben einer Volltextsuche und einer klassischen Schlagwortsuche ermöglicht das Portal erstmals eine semantische Suche: Forschende können ihr Thema in eigenen Worten beschreiben – und erhalten daraufhin eine individuell zugeschnittene Auswahl passender Quellen. Die Suche ist damit nicht länger auf eine feste Liste von Begriffen begrenzt, sondern folgt dem tatsächlichen Erkenntnisinteresse der Nutzenden.

Werkzeug, kein Ersatz für kritisches Denken

Die Verantwortlichen betonen dabei ausdrücklich die Grenzen des Systems. „Wir zeigen, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll als Werkzeug für die Archivarbeit eingesetzt werden kann – ohne dass dabei der kritische Verstand zurücktritt”, sagt PD Dr. Karsten Uhl, Leiter der Abteilung Dokumentation und Forschung. „Die Auswertung und Einordnung bleiben beim Menschen. Quellenkritik bleibt zentral für die Analyse der Texte.”

Alexander Bernhardt, Geschäftsführer von hauptsache.net, beschreibt die eigentliche Herausforderung des Projekts: „Archive zu digitalisieren ist Standard. Historische Akten so aufzubereiten, dass Menschen wirklich mit ihnen arbeiten können – das war die eigentliche Aufgabe.”

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist ein Lernort von internationaler Bedeutung. Am historischen Ort des größten Konzentrationslagers Nordwestdeutschlands erinnert sie an das Leid von über 100.000 Menschen, die vor und während des Zweiten Weltkriegs hierher verschleppt wurden.

Mehr unter: www.gedenkstaetten-hamburg.de

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