Das Vitra Design Museum widmet der niederländischen Designerin Hella Jongerius eine umfassende Werkschau. „Whispering Things“ zeigt nicht nur die beeindruckende Vielfalt ihres Schaffens, sondern hinterfragt radikal die Verantwortung von Design in unserer heutigen Welt.
Die Ausstellung markiert einen besonderen Moment für das Vitra Design Museum: Den Erwerb des Archivs von Hella Jongerius im Jahr 2024. Jongerius, die heute in Berlin lebt, gilt als eine der einflussreichsten Designerinnen des 21. Jahrhunderts – eine Vorreiterin, die Ästhetik untrennbar mit ethischen Fragen verbindet.
Design als Verantwortung
Für Jongerius ist Design weit mehr als die Gestaltung schöner Dinge. Sie sieht Designer in der Pflicht, sich für den Schutz der Erde einzusetzen und neue, nachhaltige Materialien zu entwickeln. Ihre Philosophie: Objekte sollten eine „Agency“ besitzen – sie sind Zeugen unseres Lebens und kommunizieren durch ihre Herstellung, ihr Handwerk und ihre Farben mit uns.
Ein Rundgang durch vier Themenwelten
Die Ausstellung gliedert sich in vier charakteristische Räume, die verschiedene Aspekte ihres Werks beleuchten:
- Dirty Hands: Dieser Bereich zeigt Jongerius’ „Hands-on“-Ansatz. Hier wird sichtbar, wie sie Materialien händisch erforscht, formt und direkt aus dem Prozess des Machens lernt.
- Business Class: Der Name referenziert ihre Arbeit für die Fluglinie KLM. Hier wird deutlich, wie Jongerius den Charme und die Vielfalt des Handwerks in die industrielle Massenproduktion einbringt.
- Feeling Eye: Dieser Raum widmet sich ihrer intensiven Farbforschung. Jongerius hinterfragt die industrielle Forderung nach absolut stabilen Farben und experimentiert mit Mischungen aus natürlichen und industriellen Pigmenten.
- Cosmic Mind: Der letzte Teil der Schau zeigt Jongerius’ Hinwendung zu transhumanistischen Positionen. Sie betrachtet Objekte fast wie magische Artefakte und räumt der Natur und Tieren eigene Rechte ein.
Jenseits des Neuen
Ein zentraler Punkt ihrer Karriere ist das Manifest „Beyond the New“, das sie gemeinsam mit Louise Schouwenberg verfasste. Darin plädiert sie gegen Innovation als Selbstzweck und für echte, bleibende Werte im Design.
Trotz dieser tiefgreifenden Themen bewahrt Jongerius stets eine spielerische Leichtigkeit. Ein kleiner „Misfit“, ein unerwarteter Knopf oder ein Materialbruch am Ende des Designprozesses verleihen ihren Objekten einen „menschlichen Atem“ und oft auch eine Prise Humor.
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