Dörte Eißfeldt: Archipelago – Die Fotografie als lebendiger Körper

C/O Berlin präsentiert mit „Archipelago“ eine außergewöhnliche Werkschau der Künstlerin Dörte Eißfeldt. Die Ausstellung bricht mit konventionellen Archivvorstellungen und zeigt Fotografie als einen Prozess, der niemals ganz abgeschlossen ist.

Dörte Eißfeldt, die ursprünglich aus den Bereichen Bildende Kunst und Film kommt, fand zur Fotografie, weil sie nach einem Medium suchte, das stärker „in der Welt verankert“ ist. Ihre Arbeit bei C/O Berlin umfasst fast fünf Jahrzehnte, verzichtet aber auf eine klassisch chronologische Erzählweise zugunsten thematischer „Konstellationen“.

Ein „lebendiges Archiv“

Der Titel der Ausstellung, „Archipelago“, ist programmatisch:

  • Räumliche Struktur: Er bezieht sich auf die Anordnung von Vitrinen unterschiedlicher Höhe im Hauptraum, die wie eine Inselgruppe wirken.
  • Metapher des Flusses: Gleichzeitig steht der Begriff für die Fluidität, die Eißfeldts Werk durchzieht. Wasser, Fluxus und der Zufall spielen eine zentrale Rolle in ihrem Schaffen.
  • Prozesshaftigkeit: Eißfeldt präsentiert ein „lebendiges Archiv“. In den Vitrinen befinden sich Arbeiten auf lichtempfindlichem Papier – Fotogramme, die sich während der Dauer der Ausstellung durch den Lichteinfluss weiterentwickeln und verändern.

Der Körper des Bildes

Für Eißfeldt ist ein Foto kein „Fenster“, durch das man passiv auf eine Szene blickt. Sie spricht stattdessen vom „Körper des Bildes“.

  • Experimentelle Technik: Sie experimentiert spielerisch in der Dunkelkammer mit verschiedenen Entwicklungs- und Drucktechniken sowie unterschiedlichen Oberflächen.
  • Sichtbare Arbeit: Ihr geht es nicht darum, den Entstehungsprozess zu verbergen. Das „Wie“ der Herstellung und das Material sind ebenso wichtig wie das Motiv selbst.
  • Reifeprozess: Bilder müssen für sie manchmal jahrelang „reifen“, bevor sie bereit für die Öffentlichkeit sind. Die Relevanz eines Bildes ist oft latent und findet erst nach langer Zeit ihren Moment.

Radikale Porträts und fragile Oberflächen

Die Ausstellung zeigt die enorme Bandbreite ihres Werks – von experimentellen Skizzenbüchern und Künstlerbüchern bis hin zu einem radikalen Ansatz in der Porträtfotografie. Ein besonderes Exponat ist eine fast spiegelnde Arbeit, die fast gänzlich aus Silber besteht. Die Oberfläche ist extrem fragil; jede Berührung würde eine dauerhafte Spur hinterlassen – ein Sinnbild für die Unmittelbarkeit und Intimität ihrer Kunst.

Mehr unter: co-berlin.org

Eine Frau steht im Museum. Die Tafeln im Hintergrund sind unscharf. Auf dem Bild steht: Barrierefrei kommunizieren im Museum mit Leichten Bildern. Expertenwissen kompakt. Workshop am 23. Septemner 9 - 11 Uhr
Anzeige

Newsletter