In der Kunsthalle Osnabrück trifft derzeit gotische Architektur auf digitale Rebellion. Das renommierte Duo !Mediengruppe Bitnik (Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo) verwandelt das historische Kirchenschiff in ein audiovisuelles Laboratorium gegen den „Tech-Faschismus“. Eine Ausstellung, die fragt: Wie leisten wir Widerstand in einer Welt, die zunehmend von Algorithmen gesteuert wird?
Die Installation ist eine direkte Antwort auf die aktuelle politische Weltlage und den rasanten Aufstieg der Künstlichen Intelligenz als Machtinstrument.
Die Gefahr des Tech-Faschismus
Für !Mediengruppe Bitnik ist KI kein neutrales Werkzeug. Sie warnen vor einer Entwicklung, in der wenige Akteure mittels Computertechnik die Kontrolle über die Gesellschaft übernehmen.
- Kontrolle & Steuerung: Die Machtkonzentration bei Tech-Giganten bedroht demokratische Grundwerte.
- Manipulation: KI kann genutzt werden, um Gewaltnarrative zu verbreiten und persönliche Lebensbereiche – bis hin zur Religion – auszunutzen.
Ein Handbuch aus dem Widerstand: Von 1944 nach 2026
Als strategisches Rückgrat der Ausstellung dient ein historisches Dokument: das „Simple Sabotage Field Manual“ des US-Geheimdienstes von 1944. Ursprünglich geschrieben, um Bürger im Zweiten Weltkrieg zur Sabotage gegen Diktaturen anzuleiten, erlebt der Text seit dem Amtsantritt von Donald Trump im Jahr 2025 eine massive Renaissance als Download-Hit.
!Mediengruppe Bitnik übersetzen diese analogen Sabotage-Taktiken in das digitale Zeitalter:
- Wie stört man die Logik einer Überwachungs-KI?
- Welche Form von technischer Gegenwehr schützt unsere Privatsphäre?
- Wie sieht „Sand im Getriebe“ der modernen Datenmaschinerie aus?
„Qwen Stefani“: Die Predigt der künstlichen Seele
Wo früher Priester von der Kanzel sprachen, übernimmt in Osnabrück nun eine KI das Wort. Die Kunstfigur „Qwen Stefani“ – eine Anspielung auf die No-Doubt-Sängerin Gwen Stefani – beseelt das Kirchenschiff. Inmitten von künstlichem Licht, Neon-Schriftzügen und Soundcollagen predigt sie jedoch nicht für Macht oder Profit, sondern für eine solidarische und demokratische Welt.
Der Kontrast zwischen dem sakralen Raum und der technoiden Ästhetik macht die Spannung unserer Gegenwart spürbar: Werden wir von der Technik beherrscht, oder können wir sie für unsere menschlichen Werte zurückgewinnen?
Kuratorinnen: Anna Jehle und Juliane Schickedanz
Video: Video: Stefan Brückner & Felix Hüffelmann
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