Peter Hujar in der Bundeskunsthalle: „Eyes Open in the Dark“ – Ein ungeschönter Blick auf New York

Die Bundeskunsthalle in Bonn widmet dem legendären US-Fotografen Peter Hujar eine tiefgreifende Retrospektive. „Eyes Open in the Dark“ zeigt das Werk eines Künstlers, der die New Yorker Underground-Szene der 70er und 80er Jahre nicht nur dokumentierte, sondern sie mit einer radikalen Intimität und handwerklichen Perfektion einfing.

Peter Hujar (1934–1987) war eine zentrale Figur der New Yorker Kunstszene. Seine Fotografien sind heute historische Dokumente einer Ära vor der HIV-Krise – einer Zeit, die von sexueller Freiheit und einer intensiven, oft romantisierten Underground-Kultur im East Village geprägt war.

Intimität ohne Maske

Hujars Motivwahl war zutiefst persönlich. Er fotografierte Menschen aus seinem direkten Umfeld: Freunde, Bekannte und Liebhaber. Dabei war ihm eines besonders wichtig: Die Porträtierten sollten sich ihm vollkommen präsent zeigen, ohne eine „Maske“ für die Kamera aufzusetzen. Das Ergebnis sind Porträts und Akte, die eine außergewöhnliche psychologische Tiefe besitzen.

Ein Fotograf, der schwul war – nicht ein „schwuler Fotograf“

Hujar selbst legte Wert darauf, als Fotograf wahrgenommen zu werden, der schwul war, und nicht in die Nische eines „schwulen Fotografen“ gedrängt zu werden. Seine Arbeit war nie rein akademisch, sondern immer von einer tiefen persönlichen Bedeutung für das Motiv getrieben.

Magie in der Dunkelkammer

Neben seinem Auge für den Moment war Hujar ein außergewöhnlicher Drucker. Für ihn wurde die Bedeutung eines Bildes oft erst in der Dunkelkammer vollendet, wo er seine Aufnahmen akribisch nachbearbeitete und editierte. Ein Beispiel für diesen Prozess ist das berühmte Bild zweier Jungen in einem Auto, das seine Arbeitsweise perfekt illustriert.

Erfolg jenseits der Lebenszeit

Zu Lebzeiten blieb Hujar der große kommerzielle Erfolg verwehrt, was teilweise an seinem schwierigen Verhältnis zu Galeristen und dem Kunstmarkt lag. Dennoch wusste er, dass sein Werk eines Tages Weltruhm erlangen würde. Nach seiner AIDS-Diagnose konnte er nicht mehr selbst in die Dunkelkammer gehen; in seinem letzten Lebensjahr übernahm diese Aufgabe sein enger Freund und Wegbegleiter.

Schönheit gegen die Dunkelheit

Der Titel der Ausstellung, „Eyes Open in the Dark“, spielt auf die Fähigkeit an, auch in dunklen Zeiten – sowohl persönlich als auch gesellschaftlich – die Augen offen zu halten und Schönheit gegen den Widerstand der Außenwelt zu behaupten.

Mehr unter: bundeskunsthalle.de

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