Hermione von Preuschens „Mors Imperator“ kehrt zurück

Es war der Kunstskandal des Jahres 1887: Ein Skelett in kaiserlichem Purpur, das eine Krone zu Boden stößt. Was die Berliner Akademiejury als „Majestätsbeleidigung“ und „schiefen Gedanken“ brandmarkte, machte die Malerin Hermione von Preuschen über Nacht zum Star. Nach Jahrzehnten der Verschollenheit zeigt die Alte Nationalgalerie das monumentale Werk nun erstmals wieder der Öffentlichkeit.

Die Kabinettausstellung ist nicht nur die Wiederentdeckung eines spektakulären Gemäldes, sondern auch das Porträt einer Frau, die sich weigerte, die ihr zugewiesene Nebenrolle in der Kunstgeschichte zu akzeptieren.

Ein Skelett auf dem Thron: Die Provokation

Mitten in der Regierungszeit des greisen Kaisers Wilhelm I. schuf von Preuschen mit „Mors Imperator“ (Der Tod ist der Herrscher) ein Bild von düsterer Symbolkraft.

  • Die Darstellung: Ein Skelett im Hermelinmantel stützt sich auf ein Schwert und stößt einen Thron um. Während es eine schlichte Eisenkrone trägt, fällt die juwelenbesetzte Prunkkrone in den Staub.
  • Die Deutung: Die Jury sah darin eine direkte Anspielung auf den 90-jährigen Monarchen. Trotz eines persönlichen „Persilscheins“ des Kaisers blieb das Werk von der offiziellen Akademieausstellung ausgeschlossen.
  • Die Wende: Von Preuschen bewies ein modernes Gespür für Marketing. Sie mietete eigene Ausstellungsräume in der Leipziger Straße, verlangte Eintritt und nutzte den Presseskandal geschickt aus. Das Ergebnis: Ein riesiger Publikumserfolg und schlagartige Berühmtheit.

„Das Genie kennt kein Geschlecht“

Hermione von Preuschen war weit mehr als eine Skandalmalerin. Sie war eine Vorkämpferin für die Rechte der Frauen in der Kunst.

  1. Pionierin der Ausbildung: In einer Zeit, in der Frauen der Zugang zu Kunstakademien verwehrt blieb, erkämpfte sie sich ihren Weg über Privatunterricht (u.a. bei Ferdinand Keller) und entwickelte das „historische Stillleben“ – eine erzählerische, pathetische Form der Malerei.
  2. Aktivistin: Auf dem Internationalen Frauenkongress 1896 forderte sie lautstark die Emanzipation und das Recht auf ein professionelles Studium für Künstlerinnen.
  3. Multitalent: Die Ausstellung dokumentiert auch ihr Leben als Dichterin, Weltreisende und Exzentrikerin, die sich mit dem „Tempio Hermione“ in Berlin-Lichtenrade ein architektonisches Denkmal setzte.

Die Wiederentdeckung

Lange galt „Mors Imperator“ als verloren. Dass dieses Schlüsselwerk des deutschen Symbolismus nun wieder in der Alten Nationalgalerie hängt, ist eine kunsthistorische Sensation. Neben dem Hauptwerk werfen Briefe, Fotos und Publikationen ein Schlaglicht auf eine Frau, die den Widerständen des wilhelminischen Patriarchats mit Pinsel, Feder und unerschütterlichem Selbstbewusstsein begegnete.

Mehr unter: www.smb.museum

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