Zwischen Panzerketten und Politik-Ausschüssen: Ralf Raths, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Panzermuseums Munster, gibt einen detaillierten Einblick in seine Jahresplanung 2026. Der Arbeitsalltag zeigt: Moderne Museumsleitung ist heute weit mehr als reine Archivarbeit – sie ist ein Management-Job zwischen digitaler Content-Creation und politischer Rechenschaft.
Wie sieht die Realität hinter den Museumsmauern aus, wenn die Besucherströme nach den Öffnungszeiten abebben? In einer neuen Folge des Formats „Stahlschere Papier“ gewährt Ralf Raths einen transparenten Blick auf sein Whiteboard und damit auf die strategische Ausrichtung des Deutschen Panzermuseums (DPM) für das laufende Jahr.
Strategische Leitung und inhaltliche Verantwortung
Als wissenschaftlicher Direktor trägt Raths die Gesamtverantwortung für die inhaltliche Positionierung des Hauses. „Mein Job ist es, die inhaltliche Ausrichtung des Museums zu verantworten“, erklärt Raths. Das Spektrum reicht dabei von der Textierung neuer Ausstellungsteile über die Pressearbeit bis hin zur Abstimmung mit der Museumspädagogik. Dabei betont er den Teamcharakter der modernen Museumsarbeit: Während er früher viele Entscheidungen allein treffen musste, basiert die heutige Kuration auf diskursiven Prozessen innerhalb eines akademischen Teams.
YouTube als zentrales Vermittlungsinstrument
Ein markantes Merkmal des Panzermuseums ist seine starke digitale Präsenz. Für Raths ist YouTube längst kein Nebenprojekt mehr, sondern ein Hauptvermittlungskanal, der den Rhythmus seiner Arbeit diktiert.
- Großproduktionen: Alle zwei Monate sind aufwendige Videos zu technikgeschichtlichen Schwerpunkten geplant, die intensive Recherche und mehrtägige Moderationsarbeit erfordern.
- Interaktion: Die digitale Community-Pflege nimmt einen hohen Stellenwert ein. Kommentare werden als Teil der wissenschaftlichen Kommunikation verstanden und moderiert.
- Jubiläum: Im Oktober 2026 feiert das Museum „10 Jahre YouTube“, was mit einer speziellen Rückschau gewürdigt werden soll.
Der Kalender 2026: Zertifizierung und Fachvorträge
Der Terminkalender für 2026 ist bereits eng getaktet. Ein Meilenstein ist die angestrebte Rezertifizierung mit dem Museumsgütesiegel am 16. März. Wissenschaftlich setzt Raths Akzente durch Vorträge zur „Obsoleszenz des Panzers“ am Zentrum für Militärgeschichte in Potsdam sowie Beiträge zu Konferenzen über die politische Rolle von Museen und den Kulturgutschutz.
Rechenschaftspflicht und Ehrenamt
Ein oft unterschätzter Teil der Direktionsarbeit ist die administrative Einbindung in die Kommunalpolitik. Als städtischer Angestellter berichtet Raths regelmäßig im Kulturausschuss der Stadt Munster. Zudem fungiert er als Schnittstelle zu den „Hobbykommandanten“ – jenen Ehrenamtlichen, die mit ihrer Expertise und Arbeitskraft den Erhalt der Exponate sichern.
Das Panzermuseum zeigt mit dieser Transparenz-Offensive, dass moderne Kulturinstitutionen im 21. Jahrhundert nur durch eine Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe, politischem Fingerspitzengefühl und zeitgemäßer digitaler Kommunikation erfolgreich sein können.
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