Was wir im Naturkundemuseum in den Vitrinen sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Im Verborgenen, hinter schweren Stahltüren, lagert ein gigantischer Schatz: Das Zentralmagazin. In der neuen Folge von „Frag die Wissenschaft“ öffnet Kuratorin Lisa Wong die Türen zu einem der größten biologischen Archive der Welt.
Während die Ausstellung im Museum zum Staunen einlädt, dient die wissenschaftliche Sammlung einem ganz anderen Zweck: Sie ist eine Datenbank des Lebens. Über 2,3 Millionen Objekte werden hier verwahrt – ein über 125 Jahre gewachsenes Archiv, das Forschenden weltweit als Referenz dient.
Warum sammeln wir das alles?
Lisa Wong, Kuratorin der Wirbeltier-Sammlung, räumt mit dem Vorurteil auf, Sammlungen seien bloße Lagerhallen. Sie sind „Fenster in die Vergangenheit“. Anhand der historischen Präparate lässt sich präzise nachvollziehen:
- Artensterben und Verbreitung: Wie hat sich der Lebensraum einer Tierart über ein Jahrhundert verändert?
- Umweltveränderungen: Welche Schadstoffe lagerten sich vor 50 Jahren in den Federn von Vögeln ab?
- Genetische Codes: Die Sammlung bewahrt DNA-Material, das für moderne Analysen unverzichtbar ist.
Vom Gefrierschrank zur Giraffe: Der Arbeitsalltag
Der Job in der Sammlung hat wenig mit verstaubten Regalen zu tun. Lisa Wong gibt Einblicke in ein hochspezialisiertes Handwerk:
- Quarantäne im Eisfach: Jedes neue Objekt wird zuerst eingefroren, um Schädlinge wie Museumskäfer fernzuhalten, die den gesamten Bestand gefährden könnten.
- Logistik der Giganten: Wie lagert man eigentlich eine Giraffe? Zwischen winzigen, in Alkohol eingelegten Spitzmäusen und riesigen Skeletten erfordert jedes Tier eine individuelle Lösung.
- Sicherheit geht vor: Der Umgang mit historischen Präparaten erfordert Vorsicht – früher wurden oft giftige Substanzen wie Arsen zur Konservierung genutzt.
Kann man das Archiv besuchen?
Die Frage aller Fragen: Ist dieser magische Ort für die Öffentlichkeit zugänglich? Während das Magazin aus Sicherheits- und Forschungsgründen normalerweise verschlossen bleibt, bieten Sonderformate wie „Frag die Wissenschaft“ oder exklusive Führungen seltene Einblicke in diese Welt der Kuriositäten.
Es ist eine Welt, in der jedes Tier – ob winzig oder gewaltig – eine Geschichte über unseren Planeten erzählt, die es wert ist, für die Ewigkeit bewahrt zu werden.
Mehr unter: www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de





