Wie kann jüdische Geschichte in Hamburg künftig repräsentiert werden? Im Altonaer Museum dient der Projektraum „Wegmarken Jüdischer Geschichte“ als interaktives Labor und Diskussionsplattform. Anne Kunhardt aus dem kuratorischen Team erläutert das Konzept hinter der Auswahl von 14 zentralen Daten, die weit über bloße Geschichtsschreibung hinausgehen.
Der Projektraum im Altonaer Museum versteht sich explizit nicht als abgeschlossene Ausstellung, sondern als offener Diskursraum. Ziel ist es, die Vielfalt jüdischen Lebens in Hamburg sichtbar zu machen und gleichzeitig die Frage zu verhandeln, wie ein zukünftiges Jüdisches Museum für die Hansestadt gestaltet sein sollte.
Von 60 auf 14: Die Auswahl der Wegmarken
Das Kuratorenteam begann die Arbeit mit einer Liste von rund 50 bis 60 historischen Daten, aus denen schließlich 14 prägnante Wegmarken für die Präsentation ausgewählt wurden. Bei der Selektion spielten zwei Hauptkriterien eine entscheidende Rolle:
- Lokaler Fokus: Die Daten mussten spezifisch für die hamburgisch-jüdische Geschichte sein, anstatt lediglich allgemeine deutsch-jüdische Historie abzubilden.
- Relevanz für die Gemeinschaft: Es wurden Ereignisse gewählt, die eine besondere Bedeutung für die jüdischen Gemeinden und Gemeinschaften selbst hatten, nicht nur für die Stadtgesellschaft insgesamt.
Geschichte als Spiegel der Gegenwart
Ein zentraler Aspekt der Ausstellung ist die Aktualität historischer Ereignisse. Anne Kunhardt betont, dass Geschichte immer aus der Perspektive der Gegenwart geschrieben und ausgewählt wird. Ein Beispiel hierfür ist das Jahr 1817, das Jahr der Gründung des Reformtempels. Die aktuelle Relevanz wird durch die mediale Präsenz der Ruine in der Poolstraße deutlich, was zeigt, wie Ereignisse von vor über 200 Jahren heute noch Diskussionsstoff bieten.
Partizipation und Kritik erwünscht
Das Museum lädt die Besucher ausdrücklich dazu ein, den Projektraum mitzugestalten. Es geht um die Frage, welche Personen, Orte oder Objekte in einem künftigen Museum fehlen dürfen. Die Macher zeigen sich offen für Kritik und rufen zum „Mitdenken“ auf, um gemeinsam zu definieren, welche Themen der jüdischen Gegenwart und Geschichte für Hamburg zentral sind.
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