Zwischen Umbruch und Stillstand: Fotografische Zeitzeugnisse im Brandenburg Museum

Die Zeit des Übergangs von der späten DDR in die frühen 1990er-Jahre war eine Ära extremer Kontraste. Das Brandenburg Museum präsentiert mit der Ausstellung „Das Weite suchen“ Fotografien, die diesen Transformationsprozess auf eine sehr persönliche Weise dokumentieren – jenseits offizieller Presseabteilungen und staatlicher Zensur.

Was macht den Blick eines Fotografen in Zeiten des radikalen Wandels aus? Die Ausstellung „Das Weite suchen“ gibt darauf eine Antwort, die tief in die Privatsphäre und die soziopolitischen Umbrüche Ostdeutschlands eintaucht. Im Zentrum steht das „genaue Hinschauen“ auf Freunde, Fremde und die individuelle Suche nach dem Glück in einem System, das sich gerade auflöste.

Die Freiheit des Augenblicks

Rückblickend beschreibt die Ausstellung eine historisch einmalige Phase der fotografischen Freiheit. Es gab ein kurzes Zeitfenster, in dem Fotografen dokumentieren konnten, „wo, wie und wie lange man wollte“ – eine Unmittelbarkeit, die weder in der kontrollierten DDR noch in der heutigen, von Presseabteilungen durchgetakteten Arbeitswelt existiert. Während man zu DDR-Zeiten teils noch informell in Tagebaue gelangte, stehen heute oft restriktive Genehmigungsprozesse im Weg.

Schattenseiten der Wende: Irritation und rechte Szene

Die gezeigten Arbeiten reflektieren auch die Brüche in der Biografie der Beteiligten. Ein Künstler, der die DDR bereits vor dem Mauerfall verließ, schildert seinen Schock über das schnelle Erstarken der rechten Szene unmittelbar nach der Wende. Diese gesellschaftliche Verwerfung bildet einen harten Kontrast zu den banalen, fast privaten Beobachtungen im Alltag.

Zensur und „Luxusarbeit“

Die Ausstellung beleuchtet zudem die Absurditäten des DDR-Apparats und die Härte der Transformation:

  • Stasi-Banalität: Alltägliche Szenen wie Wäsche auf dem Hof wurden in Stasi-Akten akribisch auf Notizzetteln festgehalten.
  • Frauenarbeit: Das Projekt „Luxusarbeit“ dokumentiert Arbeitsplätze von Frauen, die nach der Wende wegrationalisiert wurden und heute nicht mehr existieren.
  • Die Macht des Rotstifts: Eindrücklich wird von der staatlichen Zensur berichtet: Ein Funktionär strich jedes einzelne Bild eines Stapels mit einem Filzstift durch und versah es mit dem Vermerk „Zur Veröffentlichung nicht freigegeben“.

Das Brandenburg Museum schafft mit dieser Schau einen Raum, in dem das Private politisch wird und die Komplexität der ostdeutschen Identität zwischen Überwachung und neu gewonnener Freiheit spürbar bleibt.

Mehr unter: gesellschaft-kultur-geschichte.de/brandenburg-museum/

Museumskalender

Bild mit der Aufschrift "Museumsnachrichten". Link zu den Nachrichtentexten auf museumsfernsehen.de

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