Zwischen Mythos und Medizin: Das Rätsel um die Geburt des Pharaos

Wenn ein Gott ein Kind zeugt, wie sieht dann die Geburtsurkunde aus? Im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst (SMÄK) widmete sich Dr. Hannah Sonbol in ihrem Vortrag der Frage, wie die Geburt altägyptischer Könige inszeniert wurde – und warum die Wissenschaft diese Bilder lange Zeit missverstanden hat.

Der Vortrag ist Teil der Begleitreihe zur Sonderausstellung „Kindheit am Nil“, die noch bis zum 21. Juni 2026 Einblicke in das Leben der kleinsten Bewohner des alten Ägyptens gibt.

Die „Geburtszyklen“: Propaganda in Stein

An Tempelwänden und sakralen Bauten finden sich beeindruckende Darstellungen, die den Weg des Pharaos auf die Welt zeigen. Doch wer hier nach medizinischen Details oder realistischen Szenen sucht, wird enttäuscht.

  • Göttliche Vaterschaft: Die Zyklen betonen vor allem die religiöse Legitimation. Der Gott Amun-Re nimmt die Gestalt des regierenden Vaters an, um den künftigen Herrscher zu zeugen.
  • Sakrale Inszenierung: Die Bilder dienten dazu, den König als gottgleiches Wesen zu festigen. Es ging nicht um Biologie, sondern um Ideologie.

Der wissenschaftliche Trugschluss

Dr. Hannah Sonbol räumt in ihrem Vortrag mit einer weit verbreiteten Fehlinterpretation auf:

  • Irreführende Quellen: Lange nutzte die Forschung diese königlichen Geburtsdarstellungen als allgemeine Quelle für den Geburtsvorgang im Alten Ägypten.
  • Mythos vs. Realität: Sonbol zeigt auf, dass diese hochgradig religiösen Bilder kaum Rückschlüsse auf die „tatsächliche“ Geburt eines gewöhnlichen Ägypters zulassen. Sie sind theologische Konstrukte, keine hebammengeschichtlichen Protokolle.

Indiziensuche

In der Analyse geht es darum, die tatsächlichen Indizien von den irreführenden Interpretationen zu trennen. Was verraten uns die Darstellungen wirklich über das ägyptische Weltbild, und wo enden die Fakten über die reale Geburtshilfe? Ein Vortrag, der den Blick für die Nuancen zwischen Glaube und Geschichte schärft.

Mehr unter: smaek.de

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