“Voices Unbound” im Lenbachhaus – Künstlerische Dialoge jenseits eurozentrischer Grenzen

Serafine1369 – Bewegung als Orakel

Die multidisziplinäre Künstler:in Serafine1369 versteht Tanz und Bewegung als orakelartige Praxis – als Mittel, um Unsichtbares spürbar zu machen. Ihre Arbeiten kreisen um die verborgenen Systeme und Strukturen, die Körper lenken, kontrollieren oder durchdringen.

In intensiven, oft tranceartigen Atmosphären inszeniert Serafine1369 Momente der Wahrnehmung und körperlichen Präsenz. Zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Nähe und Distanz entfalten sich Spannungen, aus denen Bedeutungen entstehen. Dabei werden die Körper des Publikums genauso einbezogen wie die der Performer*innen – der Raum selbst wird zu einem lebendigen Gefüge aus Zeit, Bewegung, Ritual und Beziehung.

Julien Creuzet – Poetik des Widerstands

Der interdisziplinäre Künstler Julien Creuzet verbindet Skulptur, Poesie, Musik, Video und Animation zu dichten, vielschichtigen Erzählungen. In seinen Arbeiten reflektiert er die komplexen Verflechtungen der französischen Kolonialgeschichte, die bis in die Gegenwart reichen.

Creuzet schafft poetisch-politische Räume, in denen Skulptur, Klang und Sprache miteinander verwoben sind. Performative Elemente und Gesang sind dabei ebenso Teil seines Vokabulars wie improvisierte Materialien und hybride Bildwelten. Seine Werke erscheinen oft als offene Montagen oder immersive Environments, in denen Geschichte, Identität und Erinnerung körperlich erfahrbar werden.

Jimmy Robert – Körper als Bild, Bild als Geste

In der Praxis von Jimmy Robert steht der Körper im Zentrum – nicht nur als physische Präsenz, sondern auch in seiner Übersetzung durch Materialien wie Papier. An der Schnittstelle von Performance, Objekt und Kunstgeschichte entfaltet Robert eine eigenwillige, poetische Sprache, die traditionelle Gattungen bewusst überschreitet.

In seinen Arbeiten transformiert er das Prinzip der Collage und Décollage in eine zeitgenössische Formensprache, die das Verhältnis von Fläche und Raum, von Bewegung und Stillstand hinterfragt. Durch die mediale Übersetzung von zwei- und dreidimensionalen Strukturen in Film, Fotografie oder Installation entsteht ein vielschichtiges Spiel mit Wahrnehmung, Präsenz und Repräsentation.

Über Voices Unbound: Artists in Conversation

Das Lenbachhaus in München eröffnet mit „Voices Unbound, Artists in Conversation“ eine neue Gesprächsreihe, die tief in die Praktiken internationaler Künstlerinnen eintaucht – und dabei den Blick weit über etablierte westliche Kunstnarrative hinaus lenkt. In rund 60-minütigen Episoden treffen Besucherinnen auf Künstler*innen aus der afrikanischen Diaspora, darunter Jimmy Robert, Julien Creuzet und Serafine1369. Ihre Arbeiten in Performance, Film, Malerei und Zeichnung verhandeln Themen wie Identität, Migration und Körperpolitik.

Kuratiert und moderiert wird das Format von Magnus Elias Rosengarten, einem Autor und Kurator, der sich in seiner Arbeit mit der Sichtbarmachung diasporischer Körper und Narrativen beschäftigt. „Voices Unbound“ versteht sich als Plattform, die neue Perspektiven auf die Bedingungen schafft, unter denen Kunst entsteht – sozial, politisch, kulturell.

Im Zentrum stehen nicht nur ästhetische Fragen, sondern auch die Biografien der Künstler*innen und ihre komplexen Verflechtungen mit Geschichte, Macht und Widerstand. Jimmy Robert etwa nutzt Papier als performatives Material, um Körper und Kunstgeschichte neu zu denken. Seine Arbeiten oszillieren zwischen Objekt und Aktion, zwischen zweidimensionaler Fläche und filmischem Raum – ein Spiel mit Wahrnehmung und Präsenz.

Mit einer bewusst offenen Gesprächsatmosphäre lädt „Voices Unbound“ das Publikum ein, sich emotional und intellektuell auf eine sich wandelnde Kunstwelt einzulassen. Eine Welt, in der die Regeln neu geschrieben und lange marginalisierte Stimmen endlich gehört werden.

Mehr unter: lenbachhaus.de

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