Briefe, die nie ankamen – und die heute mehr erzählen als jedes Geschichtsbuch. Zum 85. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion zeigt das Museum Berlin-Karlshorst eine bewegende Ausstellung über die ersten Tage des Krieges in der Ukraine.
Am 22. Juni 1941 begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion eines der größten Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. 85 Jahre später, am 18. Juni 2026, eröffnet das Museum Berlin-Karlshorst die Ausstellung „1941. Juni-Briefe. Ungelesene Feldpost aus Kamjanez-Podilskyj” – und gibt damit Briefen eine Stimme, die ihre Adressaten nie erreicht haben.
Die ausgewählten Schreiben stammen von Soldaten der Roten Armee und Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Kamjanez-Podilskyj im Südwesten der Ukraine. Sie entstanden in den ersten Tagen des deutschen Überfalls – in einem Moment von Schock, Angst und Ungewissheit. Was die Briefschreibenden fühlten, was sie ahnten, was sie hofften, wird in diesen Zeilen greifbar: eine menschliche Innenperspektive auf den Beginn eines Vernichtungskrieges.
Eine Geschichte der Beschlagnahmung und Rückgabe
Die Briefe gelangten niemals zu ihren Empfängerinnen und Empfängern: Die deutsche Besatzungsverwaltung konfiszierte sie als Beutegut und schickte sie ans Postmuseum in Wien. Nach ihrer Restitution werden sie heute im Nationalen Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg in Kyjiw aufbewahrt. Die Ausstellung, die 2016 gemeinsam mit diesem Museum erarbeitet wurde, wird nun für die Neupräsentation um weitergehende Erkenntnisse zur Geschichte der Stadt im Kontext des deutschen Vernichtungskrieges ergänzt – erarbeitet in enger Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Historischen Museum Kamjanez-Podilskyj.
Zur Eröffnung sprechen Olha Vinnichuk von der Nationalen Iwan-Ohijenko-Universität Kamjanez-Podilskyj, Svitlana Datsenko vom Nationalen Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg in Kyjiw, Julia Korsunsky als Nachfahrin eines Briefempfängers und Geschäftsführerin der NGO RememberUs.org sowie Museumsdirektor Dr. Jörg Morré. Die Einführung übernimmt Christoph Meißner.
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