Der Begriff „homosexuell“ wirkt heute fast verstaubt, doch er entstand erst vor rund 150 Jahren in einem Europa voller Umbrüche. Das Kunstmuseum Basel widmet sich in einer historisch bedeutsamen Schau der Entstehung queerer Identitäten zwischen 1869 und 1939.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte setzt das Kunstmuseum Basel einen dezidierten Fokus auf die Kunst- und Kulturgeschichte queerer Menschen. Die Ausstellung „The First Homosexuals“ beleuchtet, wie in dieser Ära neue Bilder von Geschlecht, Sexualität und Identität sichtbar wurden. Angesichts des aktuellen politischen Klimas sei es wichtiger denn je, dass queere Personen ihre eigene Geschichte repräsentiert sehen.
Einblicke in queere Lebensentwürfe
Die Ausstellung präsentiert beeindruckende Werke, die von mutigen Lebensentwürfen zeugen:
- Emily Mundt und die feministische Familie: Die dänische Malerin zeigt am Ende des 19. Jahrhunderts ihre queere Mehrgenerationenfamilie. Zu sehen ist ihre Partnerin mit dem gemeinsamen Adoptivkind, während im Hintergrund ein Porträt ihrer Mutter – einer berühmten Feministin – über die Szene wacht. Gemeinsam gründeten die Frauen eine Schule für Künstlerinnen, die damals noch keinen Zugang zu staatlichen Kunsthochschulen hatten.
- Lili Elbe: Identität auf Capri: Ein Werk der dänischen Künstlerin Lili Elbe, einer Transfrau, zeigt sie zusammen mit ihrer Partnerin Gerda Wegener auf Capri. Die Insel galt damals als Sehnsuchtsort und Hort der Toleranz. Auf der Leinwand konnte Elbe sich so darstellen, wie sie sich selbst sah – lange bevor sie als eine der ersten Frauen geschlechtsangleichende Operationen vollziehen ließ.
Globale Perspektiven und Kolonialismus
Die Schau blickt auch über Europa hinaus. Das Werk des mexikanischen Künstlers Saturnino Herrán erinnert an eine Zeit vor der spanischen Kolonialisierung in Mittel- und Südamerika. Dort waren alternative Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht weit verbreitet und akzeptiert, bevor sie durch den Kolonialismus teilweise brutal unterdrückt wurden.
Die Ausstellung in Basel ist nicht nur eine kunsthistorische Aufarbeitung, sondern ein starkes Statement für Sichtbarkeit und die Vielfalt menschlicher Identität.
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