
Maschine an, Kopf aus? Der Zukunftsplausch im Deutschen Museum Nürnberg zur kognitiven Bequemlichkeit
3. Februar | 19:00
Navigationsgeräte, Echtzeit-Übersetzer und ChatGPT: Künstliche Intelligenz nimmt uns immer mehr Denkprozesse ab. Doch was passiert mit unserem Gehirn, wenn die Technik das Steuer übernimmt? Das Deutsche Museum Nürnberg (DMN) lud zur Debatte über die Frage, ob KI uns effizienter macht – oder schlichtweg verdummen lässt.
Die Annehmlichkeiten der digitalen Assistenten sind unbestritten. Sie rechnen, navigieren und treffen mittlerweile sogar ästhetische Entscheidungen für uns. In der Reihe „Zukunftsplausch“ beleuchtete das Deutsche Museum Nürnberg die psychologischen und gesellschaftlichen Folgen dieser technologischen Rundum-Betreuung.
Delegation von Intelligenz: Entlastung oder Verlust?
Im Zentrum der Diskussion stand das Paradoxon der Bequemlichkeit. Einerseits befreit uns KI von „müßigen“ Aufgaben. Wer nicht mehr im Kopf rechnen oder mühsam Karten lesen muss, hat theoretisch Kapazitäten frei für komplexe, kreative Problemlösungen. Doch die Expertenrunde gab zu bedenken, dass geistige Fähigkeiten wie Muskeln funktionieren: Werden sie nicht trainiert, verkümmern sie.
Prof. Dr. Stephanie Evert (FAU Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Michael Gerlich (Swiss Business School) analysierten unter der Moderation von Jana Grasser, inwieweit die Delegation von Entscheidungen an Algorithmen unser kritisches Urteilsvermögen beeinträchtigt. Wenn die KI den Geschmack vorgibt und die Fakten liefert, schwindet die Notwendigkeit zur eigenen Verifikation.
Kreativität und Ästhetik auf Knopfdruck
Ein besonderes Augenmerk galt der generativen KI. Wenn Maschinen Texte verfassen oder Bilder generieren, beeinflusst dies langfristig unser ästhetisches Empfinden. Die Gefahr einer „Durchschnitts-Ästhetik“ steht im Raum: Da KI auf Basis vorhandener Daten operiert, reproduziert sie oft das statistisch Wahrscheinlichste – das Neue, Radikale und wahrhaft Menschliche droht dabei auf der Strecke zu bleiben.
Fazit: Effizienz erfordert neue Kompetenzen
Die Runde war sich einig, dass KI uns nicht zwangsläufig „verdummen“ muss, sofern wir eine neue Form der Medienkompetenz entwickeln. Es gehe nicht mehr um das Auswendiglernen von Wissen, sondern um die Fähigkeit, die Ergebnisse der KI einzuordnen und zu hinterfragen. Die „Entlastung von zeitfressenden Aufgaben“ ist nur dann ein Gewinn, wenn die gewonnene Zeit für tiefergehendes Denken genutzt wird, statt in eine kognitive Passivität zu verfallen.
Der „Zukunftsplausch“ im DMN verdeutlicht einmal mehr: Die größte Herausforderung der KI-Revolution ist nicht die Technik selbst, sondern unser menschlicher Umgang mit der gewonnenen Bequemlichkeit.
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