
Die Abschottung der Welt: Wenn Rettung an Grenzen scheitert
24. Februar | 19:00
„Deutschland muss ihnen ein Land ohne Zukunft sein“ – nach dieser grausamen Devise trieb das NS-Regime die jüdische Bevölkerung in die Flucht. Doch während der Druck im Inneren stieg, riegelten die potenziellen Zufluchtsstaaten ihre Grenzen ab. In der Topographie des Terrors beleuchtet die Historikerin Susanne Heim am 24. Februar 2026 die globalen Barrieren, die den Weg in die Freiheit versperrten.
In ihrem brandneuen Buch „Die Abschottung der Welt“ (2026) analysiert PD Dr. Susanne Heim ein düsteres Kapitel der internationalen Diplomatie: Das kollektive Versagen der freien Welt angesichts der jüdischen Flüchtlingsnot zwischen 1933 und 1945. Moderiert wird der Abend von Dr. Eva-Maria Schnurr (DER SPIEGEL).
Das Echo von Évian: Ein Gipfel der Gleichgültigkeit
Ein zentraler Aspekt des Vortrags ist die Konferenz von Évian im Juli 1938. Trotz der prekären Lage nach dem „Anschluss“ Österreichs blieb die Hilfe aus:
- Diplomatische Starre: 32 Staaten berieten über die Aufnahme von Verfolgten, doch fast alle erklärten ihre Kapazitäten für erschöpft.
- Abschottung als System: Susanne Heim zeigt auf, wie potenzielle Zufluchtsstaaten mit jedem Expansionsschritt des NS-Staates ihre Grenzen noch enger zogen.
- Illegale Odysseen: Da reguläre Visa kaum zu erhalten waren, blieb oft nur der lebensgefährliche Weg über seeuntüchtige Boote und die Hilfe von Fluchthelfern.
Vom Exil-Verbot zum Massenmord
Die Forschung von Susanne Heim verdeutlicht die tödliche Kausalität: Die internationale Abschottung spielte den Nationalsozialisten in die Hände. Als die legale Emigration schließlich verboten wurde, war der Weg in den organisierten Massenmord bereits geebnet. Die Geschichte der Shoah ist somit untrennbar mit der Geschichte der globalen Gleichgültigkeit verbunden.
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